Nachrichten Titanic-Schach: Rückblick Schach-WM in Brissago Eine Partie wie der Untergang der Titanic
23.10.2004 - Als Peter Leko in der achten Partie des WM-Kampfes in Brissago mit dem Zug 25. ...Dd3 überraschte, musste sich Wladimir Kramnik fast wie Captain Smith vorkommen, als die "unsinkbare" Titanic auf der Jungfernfahrt eine Begegnung mit dem Eisberg hatte
Die World Chess Championship: Der Untergang der Titanic.
Lieutenant William McMaster Murdoch:
Rettungsmaßnahmen auf der Titanic
In der achten Partie der Schach-WM standen sich die Kontrahenten mit
jeweils 3,5 zu 3,5 Punkten in einem ausgeglichenen Score gegenüber,
Leko musste mit den schwarzen Steinen volles Risiko spielen, Kramnik
konnte sich ein weiteres Unentschieden mit den weißen Figuren leisten.
Kramnik wählte wie schon in diesem Match zuvor die geschlossene
Variante der Ruy-Lopez-Eröffnung. In einem dynamischen Angriff am
Königsflügel übte Leko Druck auf Kramniks Stellung aus, doch Leko
brauchte dafür eine Stunde mehr Bedenkzeit. Nach 23.Qf2 ergab sich die
unten rechts abgebildete Position.
Spätestens jetzt musste FIDE-Weltmeister Wladimir Kramnik sich wie
Kapitän Smith auf der unheilvollen Jungfernfahrt der Titanic
vorkommen. Der Eisberg war gesichtet, nach nur 37 Sekunden seit dem
Alarmruf "Eisberg voraus" schrammte er ein Loch am Steuerbord in das
als unsinkbar geltende Luxusschiff - der Anfang vom Ende.
Der Untergang I: "23.40 Uhr - Die 'Titanic' fährt mit 21,5 Knoten.
Plötzlich erkennen die Ausguckmänner einen Eisberg in etwa 500 Meter
Entfernung direkt voraus; er ragt 15-18 Meter über das Wasser.
Position nach 23. Qf2.
Schwarz am Zug:
Wie gewinnt Peter Leko mit Schwarz?
Sie
betätigen sofort dreimal laut die Alarmglocke und rufen zur Brücke
hinunter: "Eisberg rechts voraus!" Der Sechste Offizier Moody
auf der Brücke bestätigt den Alarm und gibt die Meldung an den Ersten
Offizier Murdoch weiter, der instinktiv dem Steuermann 'hart Steuerbord'
zuruft und den Maschinenraum anweist, die Maschinen zu halten und dann
volle Kraft zurückzufahren.
Dann betätigt Murdoch den Hebel, der die wasserdichten Schotten unter
der Wasserlinie schließt. Der Steuermann dreht das Rad, so schnell es
geht. Die 'Titanic' giert nach Backbord, doch der Eisberg trifft die
Bugseite an Steuerbord, schrammt das Schiff entlang und verschwindet
wieder in der Nacht.
Mitternacht: Nach Unterrichtung von Kapitän Smith, der jetzt auf der
Brücke steht, daß Wasser in die Laderäume 1, 2 und 3 und in den
Kesselraum 6 fließt, besichtigt er den Schaden rasch zusammen mit Thomas
Andrew. Dabei bittet er Andrew um eine Lagebeurteilung. Nach Andrews
Berechnungen kann sich das Schiff nur noch eine bis eineinhalb Stunden
halten. Der Bug der 'Titanic' fängt an zu sinken.
Das Schiff ist zum Untergang verurteilt. Kapitän Smith befiehlt, über
den Schiffsfunk den Notruf CQD abzusetzen. Geschätzte Position der
'Titanic': 41°46'N, 50°14'W. Die Kessel werden stillgelegt, aus den
Schornsteinen entweichen mit lautem Getöse riesige Dampfwolken. (Quelle:
Der Untergang der
Titanic)
Der Untergang II:
Nach 23.Qf2 ging es dann Schlag auf Schlag wie weiland auf der Titanik: Kramnik
machte wie zuvor Lieutenant Murdoch die Schotten dicht um einen
weiteren Wassereinbruch zu verhindern, opferte seine Dame,
drohte mit einem Freibauern auf a6 die Rückgewinnung per
Bauernumwandlung. Doch Leko spielte konsequent weiterhin auf Angriff.
Der Schlusspurt: mit 2 Minuten und 40 Sekunden verbleibender
Bedenkzeit zog Leko 32. h4, griff damit den Springer als zentrale
wichtige Verteidigungsbastion an - Kramniks Position fiel
wie die Titanic dem Eisberg zum Opfer.
Er hatte noch 45 Minuten verbleibende Bedenkzeit, doch Lekos
Angriffsposition war einfach zu übermächtig geworden. Leko geht damit
erstmals in diesem WM-Match mit 4,5 zu 3,5 Punkten in Führung.
Play it again: Diese sehenswerte Partie können Sie
>>>hier
nachspielen. (Auch für Theorie-Ignoranten geeignet).