02.03.2005 - Das IPCCC (International Paderborn Computer Chess Championship) fand dieses Jahr bereits zum 14. Mal statt. Entstanden aus einem Turnier für Programme von Amateuren, hat es sich im Laufe der Zeit zu einer inoffiziellen deutschen Meisterschaft gewandelt, an der auch professionelle Schachprogrammierer teilnehmen. "Ohne die Amateure würden solche Turniere überhaupt nicht mehr stattfinden", sagte Turnierdirektor Ulf Lorenz, "die Programme sind die Seele des Turniers.
Einige
neue Programme fanden den Weg nach Paderborn: Nexus von Ralf Dörr und Norbert Esser, Jonny von Johannes Zwanzger und Spike
von Volker Böhm und Ralf Schäfer. Der Rest des Feldes bestand aus den
"üblichen Verdächtigen",Programmierer, die bereits seit Jahren in Paderborn spielen,im famosen "Süd-Hotel" übernachten
und sich beim traditionellen Social Event treffen. Diesmal trafen sich
Programmierer, Organisation und Journalisten in Pasha´s Palace, ein türkisches
Restaurant.Nach den Partien findet in
der Regel ein reger Ideen-und Erfahrungsaustausch statt, tausendmal
informativer als das stundenlange Zuschauen, wenn Computer gegeneinander Schach
spielen. Das Hauptthema beim Essen war diesmal die Chess960 Computer WM, die in
August in Mainz gespielt wird. Nachdem das Programm Matador von Stefan Knappe aus dem Buch gegen Diep verlor (das Programm wurde Opfer des berühmt-berüchtigten
„Döner-Gambits“ von bookcooker Erdogan Günes), stöhnte der Autor: „ein Grund
mehr, in Mainz mitzuspielen“.
Wie im
Vorjahr gewann das Programm Hydra, das FPGA-Projekt von Dr. Chrilly Donninger,
Dr. Ulf Lorenz, Mohammed Nasir Ali, GM Christopher Lutz und GM Talib Mousa. Mit
8 Punkten aus 9 Partien (+7=2-0) blieb Hydra einen halben Punkt vor Shredder, das stärkste PC Programm der
Welt. Im direkten Vergleich konnte Hydra die Partie gegen das Programm von
Stefan Meyer-Kahlen gewinnen, gegen Jonny
und Gandalf gab Hydra jedocheinen halben Punkt ab.
Wenn Sie
die Tabelle studieren, sehen Sie, dass Hydra und Shredder in einer eigenen Liga
spielen. Spike debütierte hervorragend und auch The Baron von Richard Pijl
spielte sehr stark auf in Paderborn. Der Niederländer mit dem stärksten
Chess960 Programm der Welt, spielte eine sehr spannende Partie gegen Hydra, die
letztendlich noch verloren wurde. Alle Partien des Turniers können Sie auf http://wwwcs.upb.de/~IPCCC/ downloaden.
Die Hydra der
griechischen Sage ist eine neunköpfige Sumpfschlange ("Lernäische
Hydra"), die Herkules in einer seiner 12 Aufgaben töten sollte. Aber
immer, wenn er einen Kopf abschlug, wuchsen an seiner Stelle zwei neue. Hilfe
kam von seinem Neffen Iolaos, der den Stumpf jedes abgeschlagenen Kopfes mit
einer Fackel verbrannte und so das Nachwachsen verhinderte. Googlen wir ein
bisschen weiter im Netz lernen wir, dass Hydra in der Biologie ein
Süßwasser-Polyp ist. Er lebt in gut belichteten flachen Uferzonen von
Fließgewässern und Seen. Süßwasserpolypen richten in Aquarien mit sehr kleinen
Fischen und in Aufzuchtaquarien große Schäden an (so wie Hydra in Paderborn).
Spannende Mitbewohner sind sie doch und können in vielen Aquarien geduldet
werden.Hydra ist auch eine griechische Insel:20 Kilometer lang, 3,5 Kilometer breit, 590 Meter hoch, 2800
Einwohner, 3500 Katzen, 40 Esel, 2 Autos, 1 Müllwagen, ungefähr 175 000 Übernachtungen
jährlich, etwa 350 - 500 000 Tagestouristen pro Saison, Tendenz steigend. Hydra
ist auch noch eine Partyband aus Wien: "Hydra - die Partyband mit
Biss".
Tippen wir "hydrachess" ein,kommen wir auf die Homepage von Hydra:
www.hydrachess.com,wo Hydra als
"das giftigste Monster, das die Welt je gesehen hat" umschrieben
wird. "Hydra, the monster of the chess world, will
corner in a bloody confrontation whoever crosses its path". Zwischen
den vielen blutrünstigen Sprüchen auf der Website erfahren wir,dass Hydra das erste Schachprogramm aus den
Vereinigten Arabischen Emiraten ist. Die PAL–Gruppe aus Abu Dhabi hat dafür
gesorgt, dass das ambitionierte Projekt Brutus in den nächsten Jahren
weiterentwickelt werden kann. Projektleiter Muhammad Nasir Ali erzählte, dass
die PAL Gruppe das Projekt Hydra in den nächstenJahren unterstützen wird. Nasir Ali weiter: "H.H Scheich
Tahnoon Bin Zayed ist ein Schachliebhaber und kaufte sich September 2003 eine
16 Prozessor Xeon IBM Maschine. Er wollte mit DeepFritz spielen, aber das
Programm lief nicht auf dieser Maschine. Ich bin deshalb nach Graz geflogen, um
vor Ort mit ChessBase Experten zu reden und traf dort zufällig Chrilly
Donninger, der erzählte, dass sein Brutus Vertrag mit ChessBase auslief. Der
Scheich hat daraufhin entschieden das Projekt weiter zu finanzieren, da er
gerne eine unschlagbare Schachmaschine haben möchte." Hydra hat bis jetzt
nur eine Partie verloren und zwar gegen Shredder beim ICT Turnier in Leiden
2004. Hydra wird wahrscheinlich nur noch gegen Menschen spielen, demnächst ist
ein Match gegen GM Michael Adams geplant. „Es ist nicht mehr interessant für
uns gegen Computer zu spielen, deshalb werden wir uns auf Wettkämpfe gegen
starke Großmeister konzentrieren, erzählte Chrilly Donninger.