Nachrichten Jussupow: Der Schach-Professor wird Deutscher Meister GM Artur Jussupow gewinnt die EM in Altenkirchen vor Gustafsson und Graf
26.02.2005 - Offensichtlich hat GM Artur Jussupow die
kreative Pause mit dem Verzicht auf die laufende Bundesliga-Saison gut
genutzt. Davon hat nicht nur seine Tätigkeit als Schach-Analyst und
Kommentator beim FIDE-WM-Match zwischen Kramnik und Leko in
Brissago profitiert, sondern eindrucksvoll auch seine wiederentdeckte
Stärke am Brett. Mit 7.0 Punkten aus 9 Partien beendete er die Deutschen
Einzelmeisterschaften in Altenkirchen als Sieger vor Jan Gustafsson
(Hamburger SK) und dem Favoriten Alexander Graf (Porz), der zwei
Niederlagen hinnehmen musste.[19:58 Uhr]
Turnierfavorit:
Alexander Graf musste sich mit dem dritten Platz zufrieden geben
Am Ende war Artur Jussupow eher glücklich
gestimmt, waren doch seine bisherigen Auftritte in Altenkirchen eher ein
Beweis für ein positives sauerländisches Pflaster mit eher mässigen
Spielleistungen. So kommentierte er seine
Turnier-Leistung: "Die Eröffnung lief gut für mich. Doch Jakov
Meister hat gut gespielt und sich sehr gut verteidigt. Im Verlauf der
Partie droht mir die Kontrolle über die Partie zu entgleiten. Nach 27.
Td8 entstand eine schwierige Situation und ich bekam ein Remis geboten.
Die Dame auf h6 und dem Turm auf g3 drohten sich zu verlaufen. Mit h4
habe ich dann die richtige Idee gefunden. Meine Figuren waren plötzlich
wieder koordiniert . So habe ich mit Glück die Kontrolle und den
Gewinnweg wiedergefunden. Ich hatte viel Glück im Turnier. Ich habe hier
schon dreimal in Altenkirchen gespielt und dreimal einen positiven
Eindruck gehabt. Und das auch wenn ich schlecht spielte..."
Der spätere Vize-Meister Jan Gustafsson kommentierte sein Remis in
der vorletzten Runde gegen den jungen David Baramidze,
Mannschaftskollege von Arkadij Naiditsch beim SV Brackel (Dortmund) so: "David
Baramidze ist schwer zu schlagen. Wenn etwas geht,
dann in der Eröffnung. Doch das ist schiefgegangen. Doch in
der Katalanischen Eröffnung geht da gar nichts. Ich habe die
17. Ld5 Variante heute Nacht erst sehr spät bei meiner
Vorbereitung zu schätzen gelernt."
Thomas Luther, ein Mitfavorit um den Turniersieg, kommentierte sein
Schlussrunden-Remis gegen Alexander Graf: "Das Remis ist schade. Sowohl Alexander als auch mir fehlt ein halber
Punkt. Wir hatten die Partie nicht so angelegt. In der Schlussstellung
habe ich einen Bauern mehr. Aber der ist blockiert und ich habe keinen
konkreten Plan. Im Gewinnsinne war es vielleicht doch nicht gut, sich
auf den Spanier und die sogenannte Graf - Variante einzulassen.
Alexander hat mit dieser Variante schon viele Erfolge gehabt, ich wollte
eine gute Vorbereitung entgegensetzen. Im Turnier gab es bei mir Höhen
und Tiefen. Die kritische Partie war gegen Jussupow. Die hat Kraft und
Nerven gekostet."
Herzliche Glückwünsche mit der
Tigerpranke:
Chesstigers Artur Jussupow und Hans-Walter Schmitt
Viele Jahre gehörte Artur Jussupow als Juniorenweltmeister von 1977
zur Weltspitze im Schach. Zehn Jahre nach dem Gewinn der
Juniorenweltmeisterschaft erreichte 1987 ein anderer Jung-Star diese
Auszeichnung, als der Inder Vishy Anand den Titel holte.
GM Artur Jussupow und Sohn Alexander (2004)
Ekaterina und Alexander Jussupow
Jussupow war in den 1990er Jahren ein heißer Anwärter für die
WM-Kandidaten-Qualifikation (damals wurden von der FIDE noch regelmässig
und geordnet Ausscheidungskämpfe zur Qualifikation des
WM-Herausforderers organisiert). Im Jahre 1991 traf er in Brüssel im
WM-Kandidaten-Viertelfinale auf den Ukrainer Wassili Iwantschuk. Der
Zweikampf musste in einer Tiebreak-Partie mit 60 Minuten Bedenkzeit
entschieden werden. In dieser Partie spielte Iwantschuk am Damenflügel
konsequent auf Angriff und damit auf Sieg. Doch nach dem 22. Zug von
Weiss zog Schwarz seine Dame auf h5 - in den blauen Augen von GM Artur
Jussupow blitzte der Killer-Instinkt des russischen Bären auf. Wie
dieses Match ausging? Spielen Sie
>>>hier diese denkwürdige Partie nach.
Doch Abseits vom Schachbrett nahmen Artur Jussupows Leben und
Schachkarriere einen dramatischen Verlauf: Als Jussupow 1990 bei einem
Raubüberfall in seiner Moskauer Wohnung niedergeschossen wurde, trat er
nach seiner Genesung den Weg in den Westen an. 1991 kam er im Rahmen
eines Engagements bei Bayern München nach Deutschland und machte sich
daraufhin in Süddeutschland seßhaft.
Er spielte in der Deutschen Nationalmannschaft und in der
Schach-Bundesliga für die SG 1868 Aljechin Solingen, seine Frau Nadia im
heimischen SK Krumbach (Bezirk Mittelschwaben). Auch die Kinder
Alexander und Ekaterina treten in die Fußstapfen des berühmten Vaters
und spielten zuletzt bei den Chess Classic Mainz 2004 mit, wo die
13-jährige Ekaterina wie schon im Vorjahr einen Jugendpreis gewann.
Neben seiner aktiven Wettkampftätigkeit gilt Jussupow als einer der
wichtigsten deutschsprachigen Schach-Pädagogen und er veranstaltet
regelmässig Schachseminare. Sein Buch über die Russische Verteidigung
gilt mittlerweile als Klassiker für diese Eröffnung, zuletzt sind seine
Kommentare des Weltmeisterschafts-Kampfes zwischen Kramnik und Leko in
Brissago 2004 auf englisch erschienen: "Kramnik vs Leko. World Chess Championship
2004 Centro Dannemann".