01.04.2007 - Endgültig gefallen ist der Würfel in der Saison 2006/07 der Schachbundesliga - der OSC Baden-Baden ist alter und neuer Deutscher Mannschaftsmeister! Bereits in der gestrigen Vorschlussrunde machte man mit einem souveränen 6:2-Sieg gegen Bremen alles klar und durfte schonmal die Korken knallen lassen. Allerdings trieb man es nicht allzu bunt, denn heute stand noch das Prestige-Duell mit dem HSK an. Für die Hamburger ging es immerhin noch darum, den zweiten Platz vor Porz zu verteidigen, was mit dem 4-4 gegen den OSC gelang. Zusammen mit dem Pokalgewinn hat der OSC Baden-Baden das angestrebte Double geschafft und alle Saisonziele mehr als deutlich erfüllt.
HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH ZUR ERFOLGREICHEN
TITELVERTEIDIGUNG, OSC BADEN-BADEN!!!
Endstand Bundesliga 2006/07
nach 15 Runden
Platz
Verein
MP
BP
1.
OSC Baden Baden
27
86.0
2.
Hamburger SK
23
67.0
3.
SG Porz
21
74.0
4.
TSV Bindlach-Aktionär
19
66.5
5.
SC Remagen
18
61.5
6.
SG Aljechin Solingen
17
65.0
7.
TV Tegernsee
17
62.0
8.
SC Kreuzberg
15
59.5
9.
SV Wattenscheid
15
55.5
10.
SC Eppingen
15
54.5
11.
Werder Bremen
14
62.0
12.
SF Katernberg
14
61.0
13.
SV Mühlheim-Nord
10
58.0
14.
SF Berlin
9
47.5
15.
SC Bann
5
49.0
16.
SK König Tegel
1
31.0
Der OSC Baden-Baden mit Namen und Zahlen
Name
Punkte
1.
Anand Viswanathan (IND)
3.5/4
2.
Peter Svidler (RUS)
4.0/6
3.
Alexei Shirov (ESP)
9.0/10
4.
Etienne Bacrot (FRA)
7.5/11
5.
Magnus Carlsen (NOR)
3.0/4
6.
Liviu-Dieter Nisipeanu (ROM)
7.0/11
7.
Harikrishna Pentala (IND)
6.0/8
8.
Francisco Vallejo Pons (ESP)
4.5/7
9.
Peter Heine Nielsen (DEN)
5.5/8
10.
Sergei Movsesian (SVK)
8.5/10
11.
Michal Krasenkov (POL)
7.5/11
12.
Rustem Dautov (GER)
7.5/10
13.
Philipp Schlosser (GER)
8.0/12
14.
Fabian Döttling (GER)
5.5/8
15.
Raoul Strohäcker (GER)
---
16.
Frederick Beck (GER)
---
85.5/120
Die Helden auf den 64
Feldern
Alexei Shirov (rechts) bei seinem Sieg in der 14. Runde gegen Alexander Areshchenko (Bremen)
Es ist schwer, jemanden
aus einem Team hervorzuheben, wenn einfach alle eingesetzten Spieler des
Kaders ausgezeichnet gespielt haben. Müsste man jedoch den MVP (Most
Valueable Player) wählen, dann wäre es mit Sicherheit Alexei Shirov.
Der Hexer von Riga gewann sagenhafte 90% seiner zehn Partien und wird
mit einer Performance knapp unter 3000 bannig ELO-Punkte gewinnen. Nur
einen halben Zähler weniger erzielte Sergei Movsesian bei gleicher Zahl an Einsätzen, und gleich hinter
ihm drängeln sich sämtliche Kollegen, so dass man der Einfachheit halber
gleich von einer sensationellen Mannschaftsleistung reden kann. Da
aufgrund des engmaschigen Turnierkalenders von Vishy Anand, Peter
Svidler und Magnus Carlsen deren Einsätze nicht so zahlreich sind,
hatten alle Großmeister des Teams ausgiebig Möglichkeiten, sich zu
profilieren und sie machten ausnahmslos Gebrauch davon. Von 120
gespielten Partien in 15 Runden gewann man 58, remisierte 56 und
verlor ergo nur lächerliche 6 Partien.
Ärgernis am Rande
Casto Abundo - Zuständig für korrekte ELO-Auswertungen bei der Fide...
Eigentlich möchte man an dieser
Stelle die schöne Stimmung gar nicht trüben, aber eine Tatsache
verhagelte nicht nur dem Betroffenen selbst sondern auch seinen
Freunden, Kollegen und Fans zumindest kurzzeitig die Laune. Als hätte es
die Fide in der Vergangenheit Viswanathan Anand nicht schon oft genug
schwer gemacht, konnten die Herren des Weltschachverbandes offenkundig
nicht widerstehen, den Inder zu beleidigen. Anstatt sich über den
Anblick seines Namens an der Spitze der Weltrangliste freuen zu dürfen,
musste Vishy feststellen, dass man zum ersten Mal das Linares-Turnier
nicht in die Berechnungen für die April-ELO-Liste einbezogen hatte.
Somit steht Veselin Topalov weiterhin an Position 1. Damit zwang man Vishy und Aruna, den indischen Schachverband und die Chess Tigers dazu, offiziellen Protest bei der Fide
einzureichen, um den gerechten Lohn für harte Arbeit einzufordern. Eine
Demütigung, wie sie nur sehr böse Menschen erfinden können, wenn es
denn Absicht und nicht nur fahrlässige Dummheit war. Kaum waren die
Proteste eingegangen, lenkte die Fide nämlich schon ein und versprach,
die Liste alsbald zu ändern. Doch wie kann es sein, dass die komplette
Schachwelt seit Morelia / Linares davon schwärmt, dass Vishy Anand
endlich die Nr. 1 der Welt ist, doch dem zuständigen Elo-Referent Casto
Abundo - ein Relikt der Campomanes-Ära - ist am Ende seiner Berechnungen
nichts Ungewöhnliches an seiner Liste aufgefallen? Wenn schon bei der
Weltklasse so gepfuscht wird, wie muss es dann erst um weniger
öffentliche Prozesse bestellt sein?! Au Backe...
Die Helden neben den 64
Feldern
Alles im Blick - Sven Noppes und Vishy Anand
Doch kommen wir wieder
zum eigentlichen Anlass für diesen Artikel zurück und feiern die,
die wissen, wie man hart, ehrlich und erfolgreich Schach arbeitet. - "Alea
iacta est! (Der Würfel ist gefallen!)",
stellte Gaius Iulius Caesar fest, als er 49 v. Chr. mit
seinen Kohorten den Grenzfluss Rubikon überschritt und triumphal ganz
Spanien und Italien eroberte. Vergleiche zwischen dem berühmten Feldherr
und dem Kapitän des OSC Baden-Baden Sven Noppes drängen sich zwar nicht
sofort auf, aber dennoch, seitdem der erfahrene Organisator und
Schiedsrichter in
Baden-Baden das Ruder übernommen hat, sind Triumphe garantiert, und
zumindest auf germanischem Boden ist er momentan der größte Feldherr
direkt neben den 64 Feldern. Aber, Feldzüge sind natürlich stets eine
kostspielige Angelegenheit, und da kommt Wolfgang Grenke ins Spiel. Mit
seiner IT-Leasingfirma der
GRENKELEASING
AG ist er Hauptsponsor beim OSC und sorgt maßgeblich dafür, dass es
sich der Club erlauben kann, zu jedem Bundesligaduell eine
Weltklassemannschaft antreten zu lassen. Hätten Caesar schon das
Internet und Live-Übertragungs-Techniken zur Verfügung gestanden, er
hätte nach Thilo Gubler geschickt, dass ein jeder seinen Siegeszug live
im WWW sehen könne! Der OSC und auch die Chess Tigers sind natürlich
froh, dass der gute Thilo heute lebt und nicht zu Caesars Zeiten, denn
so ist man sich stets gewiss, dass Partien korrekt und zeitnah an den
User gebracht werden. Man könnte ihn ruhigen Gewissens auch den MacGyver
für Live-Übertragungen nennen. Wenn keiner mehr glaubt, dass jemals auch
nur ein einziger Zug übertragen wird, weil die Technik bösartig streikt,
kommt er erst so richtig in Schwung, bis es schließlich läuft!
Wolfgang Grenke (rechts stehend)
und Hans-Walter Schmitt kiebitzen mit Genuss bei der
Analyse zwischen Vishy Anand und Luke McShane
Thilo Gubler - Live is live!
Peter Svidler und Vishy Anand in
Aktion
Vergräbt sich fast in die
Stellung - Peter Heine Nielsen
Darf mindestens noch ein weiteres Jahr in der Ooser Vitrine bleiben - Die Meisterschale
Man konnte es nicht übersehen, an diesem Wochenende trug sich Historisches zu in Baden-Baden!
Zeit für Nachwuchsarbeit ist auch bei einem BL-Finale, wie Fabian Döttling und Philipp Schlosser beweisen
Mit Recht nicht unzufrieden mit der Vizemeisterschaft - Der Hamburger SK
Etwas Ooser Vereinsgeschichte
Die Lichtentaler Allee
Der Ooser Schachclub von 1930
Baden-Baden e. V. mit seinem Vorsitzenden Helmut Zanner verfügt über
sieben Herren-Mannschaften von der Kreisklasse III bis hin zur
Bundesliga, eine Damenmannschaft und zahlreiche Jugendmannschaften. Die
Gründung erfolgte anno 1930 durch 15 Schachfreunde im Baden-Ooser
Gasthof "Goldener Stern". Zur Zeit ist der Verein im
Markgraf-Ludwig-Gymnasium untergebracht, wobei die Bundesligakämpfe im
Casino der
GRENKELEASING AG ausgetragen werden. Ab Herbst 2008 werden
dem OSC Räume im neu renovierten Kulturhaus in der berühmten
Lichtentaler Allee in Baden-Baden, in unmittelbarer Nähe zu Kurhaus,
Theater und Burda-Museum zur Verfügung stehen.
Ursprünglich trat der Verein als Schach-Club Baden-Oos auf, er wurde im
Dezember 2004 in OSC Baden-Baden umbenannt. Noch im Jahr 1996 kämpfte
der Verein (erfolgreich) um den Klassenerhalt in der Landesliga
Mittelbaden (5. Liga). Danach begann ein stetiger sportlicher Aufstieg.
In der Saison 2005/06 wurde die Bundesliga-Herrenmannschaft erstmals
Deutscher Mannschaftsmeister. Die Damenmannschaft des OSC Baden-Baden
gewann die deutsche Mannschaftsmeisterschaft in den Spielzeiten 2003/04
und 2004/05. Auch die Jugendmannschaft (U20) wurde 2005/06 Deutscher
Meister. Mittlerweile zählt man stolze 163 Mitglieder, davon 71 Kinder
und Jugendliche, 19 Senioren und 28 Frauen.