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Es muss nicht alles über den Jordan gehen ...
11. Int. Neckar-Open in Deizisau - Terminkollision mit der EURO 2007 in Dresden
04.04.2007 - "Der Stärkere hat immer Recht", so müssen sich die ehrenamtlich tätigen Deizisauer Schachfreunde um Cheforganisator Sven Noppes herum gefühlt haben, als sie vor knapp eineinhalb Jahren erfuhren, dass die Dresdener Veranstalter die offene Einzel-Europameisterschaften genau auf ihren angestammten Termin über Ostern legten. Durch den drohenden Verlust von potenziellen Teilnehmern können schon mal schnell Ärger, Mutlosigkeit und Verzweiflung aufkommen angesichts eines solch starken Veranstaltungsgegners im Schachland Deutschland.

Homepage der Schachfreunde Deizisau
Homepage des 11.Chess Festivals "Villa de Canada de Calatrava"
Homepage der Euro 2007 in Dresden

Es ist aber auch eine gute Chance, den temporären Einbruch bei den Teilnehmerzahlen durch Freisetzen der wichtigsten Kräfte eines traditionellen Turniers - den treuen Stammkunden und ihren Vereinsfreunden - zu kompensieren. Wer den Deizisauern wirklich helfen will, bringt seine Vereinskollegen zum Spielen mit, um rückläufige Zahlen und damit eine finanzielle Misere zu verhindern. Die gute Ostertradition könnte in den nächsten Jahren damit besser aufrecht erhalten werden!
Vom 5. bis 9. April 2007 findet das Neckar-Open in Deizisau statt, und es wird sich zeigen, wie heftig die EURO 2007 vom 2. - 15. April in Sachsens Metropole Dresden auf die Stimmung am Neckar drückt.

11 Jahre Erfahrung stählen den Blick für das Wesentliche

"Ändere nur Dinge, die Du verändern kannst - lebe mit den Dingen, die Du nicht verändern kannst!" Diesen Leitsatz sollten sich die Deizisauer Schachfreunde zur Grundlage nehmen und nicht über die Chuzpe der Dresdner Terminplaner hadern oder sich gar von der Organisationswucht der Stadt Dresden unter Führung von Dr. Dirk Jordan beeindrucken lassen. Aus der Situation das Beste machen ist das Gebot der Stunde: noch bessere Spielbedingungen schaffen, noch größere Teilnehmerfreundlichkeit an den Tag legen, noch mehr Souveränität und Kompetenz bei der Abwicklung zeigen, noch besseres Equipment einsetzen, noch aufmerksamer seine Teilnehmer mit Speisen und Getränken verpflegen und vor allem bei seinen Gästen Kontinuität zeigen, dass man Sie schätzt und braucht.

Das Kernteam des Neckar-Opens. v.l.n.r.: Felix Schütte, Ralph Berner, Stefan Späth, Sven Noppes, Marc Rothengaß, Anna Schütte, Thomas Hofmann, Dietmar Herrmann

Der Spielsaal des A-Open für die ersten 100 Bretter.


Jugendspieler Frederik Beck (OSC Baden-Baden) und GM Viesturs Meijers spielten ganz vorne mit beim neu installierten Herbst-Open 2006 in Deizisau.

Das auf Kontinuität bauende größte Osterturnier hat eine fast optimale Struktur erreicht: ein Titelnormen fähiges A-Open mit Elo- und DWZ-Auswertung, ein B-Open mit Elo- und DWZ-Auswertung und ein C-Open mit ausschließlicher DWZ-Auswertung, um die jungen Teilnehmer aus den eintägigen Kinder- und Schülerturnieren frustfrei an DWZ-Zahlen, Turnieratmosphäre und -ablauf heranzuführen.

Der Chinese Xiangzhi Bu (Elo 2644) führt die Setzliste beim Neckar-Open an. Vielleicht bringt er ja noch die 1994 geborene chinesische Senkrechtstarterin Hou Yifan (Elo 2509) mit?

Das durchgängig aufeinander abgestimmte Turnierkonzept ist sehr familien- und vereinsfreundlich angelegt. Gleichzeitig ist es mit seinen 9 Runden an Ostern - von Gründonnerstag (1. Runde, 17:00 Uhr) bis Ostermontag (9. Runde um 18:00 Uhr beendet) - ein wahrer Leckerbissen für "Wenigzeitinhaber, Intensivspieler und Urlaubssparer". Ein Nachteil hat das Deizisauer Open aber schon, es gibt nämlich nur ein verfügbares Hotel am Ort mit 25 - 30 Zimmer! Die Organisatoren kompensieren dies aber professionell durch einen ständigen Fahrdienst zu den in Richtung Stuttgart gelegenen Hotels bis zur Stadt Esslingen. Eine Vielfalt der Nationen trifft man hier mit immer neuen Gesichtern, dazu die Stammspieler, die die Osterzeit jedes Jahr am Neckar beim Schach zubringen."

Krisen sind fast immer der größte Antrieb, entscheidende Fortschritte zu machen!

Die Schachfreunde Deizisau wären wie jedes Jahr sicher positiv nervös bei normaler Skepsis, happy und zuversichtlich, wenn da nicht das Damoklesschwert Euro 2007 Dresden in ihren Gedanken herumschwirren würde. Da plagt man sich jedes Jahr, um neue Rekorde zu erzielen, sowohl bei Teilnehmerzahl, bei Anzahl Titelträgern und deren Elo-Durchschnitten und da kommt so ein "Weißer Elefant" einem mitten in die Quere. Der Heimverband in Württemberg interveniert nicht gegen den Terminüberschneidung beim Deutschen Schachbund, der Nachbar aus Baden macht seine Gegenveranstaltung und die Europäische Schach Union fragt sowieso nicht nach nationalen Befindlichkeiten, zumal die Schachhauptstadt Europas und demnächst der Welt, Dresden, keine Rücksicht nehmen kann und will - da wird einfach darüber hinweggebügelt ohne Rücksicht auf kleine Verluste. Wer will schon freie und eigenwillige erfolgreiche Veranstalter, wie Dortmund und Mainz, Deizisau und Bad Wiessee, Schwäbisch-Gmünd und Bad Wörrishofen. Das ist der pure freie Wettbewerb und die Deizisauer sollten sich gefälligst lösen von dem Gejammer auf hohem Niveau - neue Ideen entwickeln, neue Allianzen im wirtschaftlich starken Großraum Stuttgart oder Deutschland schließen und noch einmal richtig Gas geben. Die Stammkunden unter den Teilnehmer werden das registrieren und "ihren" Veranstalter mit "ihrer" Teilnahme unterstützen, das ist ein loyaler Reflex und so sicher wie das Amen in der Kirche. Und ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis ist immer schon mit Treue belohnt worden - Selbstmitleid ist jedem suspekt. Es soll den Deizisauer kein Trost sein, aber auch die Dresdner müssen mit internationaler Konkurrenz leben, trotz aller Vorteile die der DSB scheinbar einseitig den Dresdnern und Euro-Schach gewährt. Doch auch dieses ist im Hinblick auf die Olympischen Schachspiele im Jahre 2008 absolut legitim. Nur überkritische Geister fragen sich frei nach Theodor Storm: "Der eine fragt: Was kommt danach? Der andre fragt nur: Ist es recht? Und also unterscheidet sich, der Freie von dem Knecht."

"Fahnenflucht der Superstars oder der Lockruf des Geldes"

Es ist ein altes Gesetz der Wildnis, dass an einem Wasserloch in der Savanne zuerst die Stärksten saufen dürfen, dann die Zweitstärksten bis hinunter zu den Schwächsten, und so scheint es sich auch bei der Karawane der professionellen Schachspieler und den Wasserlochbesitzern zu verhalten.

Auch der Fide-Weltmeister von 2004, Rustam Kasimdzhanov aus Uzbekistan, spielte, kurz bevor er den Titel in Libyens Hauptstadt Tripolis errang, 2004 in Deizisau.

Waren bis vor Kurzem noch Shakhriyar Mamedyarov und Vassily Ivanchuk - die Nr. 5 & Nr. 6 der aktuellen Weltrangliste - die Magneten und Vorzeigeteilnehmer der Euro 2007 in Dresden, so stehen Sie jetzt auf der Startliste des 11. Chess Festivals "Villa de Canada de Calatrava" in der Nähe der spanischen Hauptstadt Madrid. Das Schnellschachturnier ist in der Spitze so imposant besetzt, mal abgesehen von den wenigen außereuropäischen Teilnehmern, dass der Eindruck entstehen könnte, der Titel eines Schach-Europameisters würde überhaupt kein Prestige mehr bringen! Die EURO 2007, die European Chess Championship wird von den jeweiligen Nationen reichlich beschickt - quasi mit Geldern der nationalen Schachverbände oder öffentlichen Hände subventioniert -, genauso wie die Olympischen Championate oder die turnusgemäss stattfindenen Team-Weltmeisterschaften und doch ist es den Veranstaltern oft unmöglich die absolute Weltklasse zu vereinen, weil freie Top20-Spieler meist höhere Antrittsgagen verlangen oder freie Veranstalter Mittel und Wege finden, die "Schröpfveranstaltungen" zu enttarnen und durch lukrativere Angebote an die absoluten Superstars auszubooten. Es hilft den Dresdener jetzt herzlich wenig, "böse" zu sein auf die spanischen Veranstalter, sondern sie müssen aus der Situation das Beste machen. So schließt sich dann der Kreis von Deizisau über Dresden bis nach Madrid - der Kunde wird immer nach seinem Bedarf entscheiden. Wettbewerb unter den Veranstaltern ist gut und belebt das Geschäft und Wasser ist für alle da!

Die Startlisten der 20 besten Teilnehmer im Vergleich - Stand: 25. März 2007

EURO 2007 Dresden versus Rapid Chess Festival "Villa de Canada de Calatrava"

Rang Name Nation Elo Rang Name Nation Elo
1 Ivanchuk UKR 2750 1 Anand IND 2779
2 Jakovenko RUS 2691 2 Mamedyarov AZE 2754
3 Nisipeanu ROM 2689 3 Ivanchuk UKR 2750
4 van Wely NED 2683 4 Aronian ARM 2744
5 Tiviakov NED 2682 5 Gelfand ISR 2733
6 Vallejo Pons ESP 2679 6 Svidler RUS 2728
7 Karjakin UKR 2678 7 Polgar, J. HUN 2727
8 Eljanov UKR 2675 8 Grischuk RUS 2717
9 Almasi HUN 2669 9 Shirov ESP 2715
10 Malakhov RUS 2663 10 Bacrot FRA 2705
11 Naiditsch GER 2663 11 Sasikiran IND 2700
12 Timofeev RUS 2663 12 Harikrishna IND 2673
13 Alekseev RUS 2661 13 Karpov RUS 2668
14 Georgiev Bul 2661 14 Milov SUI 2665
15 Bologan MDA 2661 15 Dreev RUS 2658
16 Dreev RUS 2658 16 Miton POL 2655
17 Gashimov AZE 2658 17 Sokolov, I. NED 2652
18 Sargissian ARM 2658 18 Krasenkow POL 2651
19 Smirin ISR 2654 19 Fressinet FRA 2646
20 Nielsen DEN 2651 20 Miroliub SRB 2641
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427 Swinkels NED 0000 262 Gomez Galvez ESP 0000

Für die 2700er-Elo-Riesen scheint der Europameistertitel uninteressant zu sein, wobei auch klar wird, dass für die Top-Spieler unterhalb dieser ominösen Grenze die Euro 2007 sehr interessant zu sein scheint mit den gediegenen Preisgeldern, dem Anreiz des Titels und der obligatorischen nationalen Subventionsspritze für deren Nationalspieler. Die spanischen Veranstalter des Chess Festivals "Villa de Canada de Calatrava" müssten auch die Mainzer Veranstalter der Chess Classic tief beeindrucken mit ihrer Besetzung. Aber noch hält man die Rekorde "bestbesetztes Turnier aller Zeiten im Jahre 1998 mit Kasparov, Anand, Kramnik und Ivanchuk, Elo-Schnitt 2781 / Kategorie 22", "einzige Top10-Veranstaltung in der Turniergeschichte im Jahre 2000 mit Kasparov, Anand, Kramnik, Shirov, Morozevich, Leko, Adams, Ivanchuk, Bareev und Topalov" und das "größte Schnellschach-Open im Jahre 2006 mit 632 Teilnehmern und 179 Titelträgern" zu sein. Letztendlich darf man sich aber nie auf die faule Haut legen, sondern muss versuchen, mit Ideen und Tatkraft den Herausforderungen gerecht zu werden. Vielleicht beginnt aber hier die seriöse Ausrichtung auf den "Grand Slam of Rapid Chess" mit den Veranstaltern von Korsika im Bunde, flankiert von den Spielern die mit gutem Entertainment Kunden zu begeistern wissen.

Homepage der Schachfreunde Deizisau

Ausschreibung 11. Int. Neckar-Open

Tim Relta

Published by Börries Wendling

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