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Der OSC Baden-Baden - wie ein Schweizer Uhrwerk!
Beim starken Aufsteiger TSV Bindlach-Aktionär das Meisterstück fast vollendet
21.03.2007 - Eine brillante Mannschaftsleistung im oberfränkischen Bindlach brachte mit dem 4,5:3,5 Sieg gegen die spielerisch starken und organisatorisch sehr gut aufgestellten Gastgeber den nicht erhofften 4-Punkte Vorsprung in der Tabelle. Der 7:1 Erfolg gegen die Berliner Schachfreunde war Routine. Vor dem abschließenden Traumfinale am 31.März / 1.April in Baden-Baden gegen den langjährig härtesten Konkurrenten in der Liga Werder Bremen und den direkten Verfolger Hamburger SK müsste schon die Hölle zufrieren und gleichzeitig der Himmel einstürzen, wenn dem bisher supersolide auftretenden Baden-Badener Ensemble noch der Kuss der Caissa verwehrt bliebe. Die in der Saison 06/07 hell strahlende "Leuchte des Nordens" HSK hat im direkten Vergleich den Rekordmeister SG Porz vom Niederrhein aus dem Rennen schiessen können, um sich selbst in die Herausforderung zu katapultieren. Die Brisanz des Duelles in der Hansestadt lag aber eher in der gegenläufigen Auffassung in Sachen Bundesliga e.V. zwischen dem neuen Vorsitzenden, Christian Zickelbein und dem erbittert dagegen ankämpfenden Mäzen aus Köln, Wilfried Hilgert. Der durch GRENKELEASING AG gesponserte OSC Baden-Baden und die vom "Der Aktionär" gesponserten Bindlacher benehmen sich da diametral anders und bescheren ihren Geldgebern durch ansprechende Leistungen ein eher gutes ROI (Return of Invest).

Homepage des OSC Baden-Baden
Homepage des TSV Bindlach-Aktionär
Homepage der Schachbundesliga

Die innere Teamstärke entscheidet die Meisterschaft auf lange Sicht gesehen

Elo-Zahlen machen keine vollen Punkte, vor allem dann nicht, wenn sie nicht zur Verfügung stehen. Erst mit der optimalen Balance im Team entfaltet die Mannschaft des OSC Baden-Baden in der vierten Saison die Souveränität und Unaufgeregtheit, um im Kampf gegen die gefährlichen Konkurrenten aus dem oberen Drittel der Tabelle nicht nur bestehen zu können, sondern darüber hinaus mit hervorragendem Teamgeist auch noch die nötige furchteinflössende Solidität zu verstärken. Die Männer um das OSC-Team herum arbeiten ohnehin mit sozialer Nüchternheit und der nötigen emotionalen Kompetenz, die mittlerweile der Mannschaft das Selbstbewusstsein gibt, immer siegen zu können, ohne oberflächlich zu werden. Die plumpe Psycho-Falle, "die Spitzenbretter werden es schon richten" oder "auf die letzten Bretter ist kein Verlass", hat sich verwandelt in die Haltung, "auf jeden Einzelnen kommt es an"! Erst seit dem Wechsel der inneren Haltung im Team - die anfangs in Porz noch nicht ganz perfekt zum Tragen kam - scheint das Team auch ohne Anand (Elo 2779), Svidler (Elo 2728) Carlsen (Elo 2690), Vallejo-Pons (Elo 2674) Peter Heine Nielsen (Elo 2640) und Sergei Movsesian (Elo 2637) gegen einen direkten Wettbewerber wie Bindlach-Aktionär locker bestehen zu können.

Der OSC Kapitän und seine Spieler in Bindlach, v.l.n.r: Harikrishna, Nisipeanu, Bacrot, MF Noppes, Schlosser, Shirov, Krasenkov, Dautov, Döttling.


Der französische Entertainer Etienne Bacrot bringt alle zum Lachen: hier Fabian Döttling & Liviu-Dieter Nisipeanu.


Das Baden-Badener Urgewächs Fabian Döttling scheint ihm aber in Nichts nachstehen zu wollen und analysiert gerne - Philipp Schlosser ist amüsiert.

Ooser Schachclub von 1930 spielt erfolgreich nur mit Baden-Badenern!

Diese These soll auf keinen Fall arrogant oder überheblich wirken, es zeigt nur auf, dass alle Teile der Mannschaft wichtig sind und miteinander in der Öffentlichkeit zur vollen Wirkung kommen. Wer weiß schon, dass die Bretter der Deutschen einen Score von +12 / -0 /= 18 aufweisen bei insgesamt 30 Einsätzen oder, dass es im Team Baden-Baden am 1. Brett in dieser Saison bisher keine Remis gab: +12 / -1 /= 0. Bei aller Verblendung durch Elo-Zahlen muss man doch klar unterstreichen, dass die nationalen Komponenten im Team überhaupt keine Bedeutung haben und keiner visuellen Berücksichtigung bedürfen, bei der Erstellung von Namensschildern im Spielsaal oder auf www.schachbundesliga.de als Hauptinformationen genannt zu werden. Für den OSC Baden-Baden sind 16 Spieler gemeldet: fünf Deutsche, zwei Inder, zwei Spanier, ein Russe, ein Franzose, ein Norweger, ein Rumäne, ein Slovake, ein Däne und ein Pole - alles "echte Typen" und darauf kommt es an. Kein Unternehmen der Welt würde die nationale Vielfalt seiner Belegschaft als negatives Kriterium einstufen und trotzdem wird immer wieder dieser nationalen Angelegenheit in der Bundesliga zu hohe Aufmerksamkeit gewidmet, genauso wie der bescheuerten Bedenkzeitdiskussion und zwar meist von titeltragenden Chefredakteuren und einer großen Phalanx von Großmeistern, deren Hauptbestreben es ist, dem Kunden (Sponsor und Zuschauer) nicht das zu geben, was der Kunde wünscht, sondern das anzubieten, was am bequemsten zu offerieren ist: schnelle Remis oder immer mehr langweilige Theorieduelle.

Warum fragen wir nur immer die Leistungsanbieter beim Schach - Großmeister und Funktionäre, warum nicht einfach mal die Leistungsbezieher - Zuschauer und Sponsoren? In Bindlach waren mehr als 300 Zuschauer anwesend, die durch geschickte Einbeziehung der Region bewirkt wurde (400 Freikarten für umliegende Vereine und AGs in den Schulen) und mit der Verlosung von kleinen Preisen unter den eintrittberechtigten Zuschauern abgeschlossen wurde - Förderung der Kundenbindung oder Pflege der Fankultur durch Services nennt man solche Aktionen. Der Service für die Zuschauer war exzellent.

GM Alexei Shirov (Baden-Baden) mit 7,5 Punkte aus 8 Partien und einer Performance von 3039! macht auch gegen TSV Bindlach-Aktionär den entscheidenden Punkt, hier gegen den deutschen Spitzenspieler Arkadij Naiditsch (Bindlach).

Die 2700er Elo-Riesen GM Etienne Bacrot (Baden-Baden) und GM David Navara (Bindlach) trennten sich remis.

IM Rainer Polzin (SF Berlin) kam mit der Empfehlung der 3. GM-Norm aus der österreichischen Staatsliga und schlug den jungen Viktor Laznicka (Bann)!

Nach aufreibendem Kampf musste sich der neue GM Polzin (SF Berlin) der Spielstärke Shirovs (Baden-Baden) beugen.

GM Arkadij Naiditsch (Bindlach) und GM Viktor Laznicka (Bann) trennten sich remis

Bindlach, Bayreuth, Oberfranken, ...

In Oberfranken ticken seit gut einem Jahr die Schachuhren anders. In dieser Gegend zwischen Fränkischer Schweiz und Oberpfalz hat sich in Bindlach unweit von Bayreuth eine neue Macht im deutschen Bundesligaschach entwickelt. Die günstige Lage in der Schnittstelle zwischen dem reichen Bayern und den blühenden Landschaften Sachsens scheinen als Lage ideal zu sein, besonders unter Berücksichtigung des nahegelegenen Spielerreservats in der Tschechei und Slovakei, beziehungsweise der angrenzenden schachspielerstarken Nationen der nach Osten erweiterten Europäischen Union. Entscheidend dürfte aber die Unterstützung der Schachabteilung des TSV Bindlachs durch den Sponsor "Der Aktionär" in Kombination mit der Organisationspower der "Kläuse" sein. Mit großem Geschick und Weitblick haben der Abteilungsleiter Klaus Mühlnikel und das "Mädchen für Alles" Klaus Steffan die Oberfranken aus dem Schattendasein der "grauen" Maus ins gleissende Licht des Falken in der neuen Bundesliga geführt. Ob der Ehrgeiz, der Mut und die Ideen der Oberfranken ausreichen, um in Zukunft den ruhig majestätisch kreisenden Adler aus Baden-Baden anzugreifen wird sich zeigen. Wettbewerb belebt das Geschäft und darf natürlich auch durch die Region geprägt stattfinden - aufgepasst ihr Hauptstädter, ihr Hansestädter und ihr kölsche Jecken, dass ihr nicht den Anschluss verliert!

Das Schauspielhaus in Bayreuth.


Mit viel Phantasie: Skulpturen und Plakate, die sich gleichen?

TSV Bindlach-Aktionär Schachabteilung - ein Team mit Ambitionen

Dass die Oberfranken Schachevents organisieren können, steht außer Frage. Dass sie dies mit dem fränkischen Dialekt und Charme von GM Michael Bezold lokalpatriotisch an ihre Kunden, Gäste und Zuschauer heranbringen macht sie herzlich und symphatisch. Aber ob sie den nächsten Schritt wagen, ernsthaft nach der Meisterschale zu greifen, werden wir alle bald sehen. Mit einer weiteren Investition von "Einpaarzigtausend Euro" wären die Bindlacher-Aktionäre in der Lage, die Mannschaft gezielt zu verstärken und vor allem den Kader mindestens von 9 auf 12 Spieler zu erweitern, um so unberechenbarer zu werden. Wir trauen dieser agilen Abteilung alles zu und werden schauen, was in den nächsten Monaten passiert.

Die "Kläuse" Mühlnikel und Steffan aus Bindlach haben alles im Griff mit ihren jungen Helfern. Hier bei der Vorbereitung zur Verlosung unter knapp 400 Besucher am Wochenende.


Abteilungsleiter Klaus Mühlnikel eröffnet die Veranstaltung. Mannschaftsführer, Webmaster und Cheforganisator Klaus Steffan hört unterstützend zu. Rechts: die Mannschaftsführer von Bindlach und Baden-Baden voller Anspannung während des Kampfes?


Gut, dass der Michael nicht Klaus heisst - die Klausphobie wäre sicher! GM Klaus Bischoff und GM Michael Bezold sorgen in Bindlach für eine gelungene Kommentierung der Partien für die Besucher.

Die Präsentation vor Ort gehört zum Feinsten in der Bundesliga. Ambiente und Zuschauerservices, Verpflegung und Preise, technische Realisierung und Informationsgeschwindigkeit sind nahezu perfekt. Im Nebenraum wurden die laufenden Partien von GM Bezold kommentiert, der auch kontinuierlich auf die anderen Plätze umschaltete und die Zuschauer mit heissen Informationen versorgte. Der www.schach.com-Pionier in Sachen Live-Übertragung Axel Fritz hatte hier in Bindlach alles perfekt im Griff - ganz anders noch als vor gut einem Monat im Schöneburger Rathaus in Berlin. Die Analysetische für die beendeten Partien waren zuschauerfreundlich platziert und der Schachstand von Ulrich konnte so manchen Kaufwunsch befriedigen. Der Standard, der hier erreicht wurde, ist allemal vorbildlich und auch die laufende Versorgung der im Spielsaal befindlichen Zuschauer mit Informationen und Ergebnisse in beiden Parallelwettkämpfen war zeitnah und gut einsichtbar.

Hervorragend gefiel auch die unauffällig solide Arbeit des Schiedsrichtergespanns Robert Ackermann und Rudolf Schicker, wobei die "Altar"-Aufbauten für Bedienungspersonal der Live-Übertragung, die vier Mannschaftsführer und die zwei Schiedrichter überrepräsentativ wirkten. Diese eventbegleitenden wichtigen Leute sollten unauffälliger und viel weniger sichtbar operieren, und dies sollten auch die Spieler beherzigen, die ihre Partien beendet haben, statt vor den Zuschauern als Oberpriviligierte herumzuturnen, wenn es einmal in der Partie für die Zuschauer richtig spannend wird, weil beispielsweise das Zeitnotfinale naht.

Dass der Vorsitzende des neugegründeten Schachbundesliga e.V., Christian Zickelbein, mit seinem Team noch eine Hand an der Meisterschale hat, aber gleichzeitig im Heimspiel auf eine Live-Übertragung der hartnäckigsten Verfolger mit Porz und Remagen verzichten muss, ist sicher nicht ganz optimal in seinem Sinne. Lieber wäre ihm gewesen, der gespannten Schachöffentlichkeit den Genuss eines packenden Parallelkampfs online zu zeigen, wie es sicher im nächsten Jahr bei gemeinsamer Planung der Budgets innerhalb der Bundesligaverantwortlichen zum Standard zu werden scheint, um im Sinne der großen Bundesliga-Zukunft zu handeln. Der Hamburger SK-Hut gepaart mit dem Bundesliga-Hut, stand und steht Christian Zickelbein gut! Der Live-Ticker ist auf Dauer aber keine Lösung, die Live-Übertragung ist das Gebot der Zukunft.

Eindrücke aus dem Spielsaal in Bindlach

Eindrücke aus dem Kommentatorenraum in Bindlach

Eindrücke aus dem Spielsaal in Bindlach

Ein bisschen Heimatkunde - Bindlach in Oberfranken

Bindlach liegt in einem geologisch hochinteressanten Gebiet: Im Tale der längst verschwundenen Ursteinach, zwischen dem Muschelkalkrücken der Fichtelgebirgsausläufer im Osten und dem Rhätsandsteinhöhenzug der Hohen Warte im Westen. Das "alte" Dorf ist über 1000 Jahre alt. Der Ortsname selbst erscheint erstmals in einer Urkunde vom 6. April 1178. Eine neuere Forschung führt die Bezeichnung Bindlach auf das altsächsische "Binutlaka" zurück. Dies wird gedeutet mit "Binsenlache, mit Binsen bewachsenes stehendes Gewässer". Deportierte Sachsen sollen um das Jahr 800 n. Chr. durch Karl den Großen hier angesiedelt worden sein. Ausgrabungen im August 1992 haben ergeben, daß zwischen Schleifmühle und Allersdorf eine keltische Siedlung aus der Zeit um 450 v. Chr. existiert hat.

Das Wahrzeichen von Bindlach ist die zwischen 1766 und 1782 errichtete und als prächtigste Markgrafenkirche Oberfrankens bezeichnete, barocke Bartholomäuskirche mit dem fast 50 m hohen Kirchturm. Das Gemeindewappen zeigt ein schwarzes Messer als Symbol des Kirchenpatrons Bartholomäus und ein blaues Schild mit einer goldenen Rose als Hinweis auf den Lehensherrn "von Guttenberg". Die Gemeindefahne hat die Farbenfolge Schwarz-Gold-Blau. Bis zum Ende des 2. Weltkrieges war Bindlach eine überwiegend landwirtschaftlich geprägte Gemeinde mit rund 1.600 Einwohnern. Erst nach 1950 begann eine sprunghafte Aufwärtsentwicklung mit Ansiedlung von Industrie- und Gewerbebetrieben unterschiedlichster Branchen und mit enormer Wohnbautätigkeit. Im Zuge der Gebietsreform sind 1976 bis 1978 die damals selbständigen Gemeinden Benk, Crottendorf, Euben und Ramsenthal eingegliedert worden. Jüngster Ortsteil ist der "Bindlacher Berg", der bis 1992 der US-Army als Kasernengelände mit der Bezeichnung "Christensen Barracks" Heimat gab. Bindlach zählt heute über 7.300 Einwohner und hat eine Fläche von 37 qkm. Die Gemeinde zählt zu den Kommunen mit den besten Zukunftsperspektiven im gesamten oberfränkischen Raum.

Vielleicht auch für das Schach, denn die geographische Lage ist exzellent in der Schnittstelle der EU-Osterweiterung mitten in Europa. Viele angrenzende Nationalitäten verfügen über ein hervorragendes Spielerpotenzial und es bleibt abzuwarten, ob nicht einige Meister vom Absteiger Bann zukünftig in Bindlach anheuern. Denn eines ist klar: Ein Kader wie dieses Jahr von 9 Spielern wird zu klein sein und man wird wahrscheinlich auf mindestens 11-12 erhöhen müssen, um die selbstgesteckten Ziele des Vereins und die Wünsche des Sponsors zu erfüllen.

Das Best Western Transmar Hotel war gleichzeitig Unterkunft und Veranstaltungsort

Die Bärenhalle in Bindlach steht für noch größere Besucheranstürme zur Verfügung


Drei Dinge sind sicher in Bindlach: es muss nicht gebetet werden, der große Richard Wagner muss nicht helfen, aber "Der Aktionär" könnte den Baden-Badener und der ganzen Liga noch großes Kopfzerbrechen bereiten! Die Bundesliga braucht offensive Sponsoren, phantasievolle Organisatoren, internationalen Wettbewerb, klare Zuschauerorientierung und keine Verweigerer, wie die vom Niederrhein oder die Bremser aus der Hauptstadt.

Drei Dinge braucht das Schach: Geld, Geld und noch mehr Geld - die eigenwillige Christuskirche in Bayreuth symbolisiert das mit ihren drei Türmen am Besten.

Hans-Walter Schmitt

Published by HWS

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