Nachrichten Bundesliga 06/07 - OSC Baden-Baden steht kurz vor Titelgewinn GM Fabian Döttling mit dem Bericht zum BL-Wochenende seiner Mannschaft
19.03.2007 - Ein abermals sehr erfolgreiches Wochenende liegt hinter der Herrenbundesligamannschaft des OSC Baden-Baden. Beim Gastspiel im fränkischen Bindlach holten die Jungs von Mannschaftsführer Sven Noppes ungefährdet weitere vier Punkte auf dem Weg zur Titelverteidigung. Samstags konnte man die Gastgeber vom TSV Bindlach-Aktionär souverän 4,5-3,5 schlagen, wobei das Ergebnis knapper aussieht, als der Kampf tatsächlich verlief. Am Sonntag dann waren die Schachfreunde Berlin beim 7-1 ziemlich chancenlos, wobei dieses Ergebnis vielleicht etwas zu hoch ausfiel.
Obwohl Mannschaftsführer Noppes
nicht auf die Stars Vishy Anand, Peter Svidler und Magnus Carlsen
zurückgreifen konnte (am Samstag begann in Monaco das Melody Amber
Turnier), reiste der OSC mit einer schlagkräftigen Truppe am Freitag
nach Bindlach ins Best Western Transmar Hotel. In eben diesem Hotel
wurde an den folgenden beiden Tagen auch gespielt, wobei anzumerken ist,
dass die Spielbedingungen sehr gut waren, und auch für die zahlreichen
Zuschauer mit einer Live-Kommentierung durch GM Michael Bezold in einem
schönem Ambiente etwas geboten wurde. Kurzum, die Organisation war
durchweg gelungen. Samstags um 14.00 Uhr ging es für den OSC dann gegen
die Hausherren aus Bindlach, die in Bestbesetzung angetreten waren.
Anfangs gestaltete sich der Kampf auch recht ausgeglichen, weshalb es
alsbald zu einigen Friedenschlüssen kam. Als erstes kam es zur
Punkteteilung am siebten Brett zwischen Philipp Schlosser um Igor Stohl,
da Philipp aus der Eröffnung absolut keinen Vorteil herausholen konnte.
Bald darauf folgten die Friedenschlüsse zwischen Klaus Bischoff und
Rustem Dautov am sechsten und David Navara und Etienne Bacrot am zweiten
Brett. Am dritten Brett hatte Liviu-Dieter Nisipeanu gegen Vladimir
Baklan eine interessante Neuerung in einer modernen Variante des
Dameninders gebracht und kurze Zeit später klaren Vorteil erlangt, da
sein Gegner eine ernste Ungenauigkeit begangen hatte. Allerdings
verpasste Liviu-Dieter dann seinerseits eine sehr chancenreiche
Fortsetzung und bot in einer ziemlich unklaren Stellung das Unentschieden
an, was von seinem Gegner auch akzeptiert wurde. Diesem Remis folgten
dann in der Folgezeit die Punkteteilungen zwischen Michal Krasenkov und
Michail Prusikhin am fünften Brett und zwischen David Baramidze und
Pentala Harikrishna am vierten Brett. Diese sechs Punkteteilungen waren
aus OSC-Sicht insofern völlig berechtigt, da sowohl Alexei Shirov am
Spitzenbrett gegen die Berliner Verteidigung der deutschen Nr. 1 Arkadij
Naiditsch als auch Fabian Döttling gegen Jan Markos am achten Brett
deutliche Vorteile besaßen. Während Alexei seine Vorteile souverän in
einen vollen Punkt verwandelte, verdarb der Berichterstatter seine gut
gespielte Schwarzpartie in der sechsten Stunde in einem Moment der
Unachtsamkeit ins Unentschieden. Fazit: Ein völlig ungefährdeter Sieg
des OSC, der eigentlich 5-3 hätte ausfallen müssen, wobei bemerkenswert
war, dass kein Baden-Badener zu irgendeinem Zeitpunkt in Verlustgefahr
war. Am Abend erreichte uns zudem die Nachricht, dass Remagen gegen
Werder Bremen 4-4 gespielt hatte und Porz überraschend gegen Hamburg
verloren hatte. Damit verabschiedete sich die SG Porz endgültig aus dem
Titelrennen, während Hamburg mit drei Punkten Rückstand der ärgste
Verfolger des OSC blieb.
OSC-Kapitän Sven
Noppes mit einem "Grand ohne drei" dennoch auf Meisterkurs
Am Sonntag ging es dann gegen die Schachfreunde Berlin. Der
Kampf gestaltete sich allerdings ziemlich einseitig. Als erstes war die
Partie zwischen dem Berichterstatter und Henrik Rudolf zu Ende. Der
Berliner wählte eine Nebenvariante im „Bajonett-Angriff“ der
Königsindischen Verteidigung, beging im achtzehnten Zug allerdings eine
grobe Ungenauigkeit, nach welcher die Partie gegen energisches weißes
Spiel nicht mehr zu halten war. In der Folgezeit passierte erstmal
wenig, doch in der Zeitnotphase ging es dann Schlag auf Schlag: Rustem
Dautov gewann am sechsten Brett gegen Ilja Schneider entscheidendes
Material und damit auch die Partie. Während Etienne Bacrot eine etwas
schmeichelhafte Punkteteilung gegen Stephan Berndt am zweiten Brett
erreichte, konterte Philipp Schlosser Marco Thinius am siebten Brett
erfolgreich aus. Alexei Shirov überspielte Rainer Polzin am Spitzenbrett
und Pentala Harikrishna gewann gegen Dirk Poldauf wie auch Liviu-Dieter
gegen Martin Boriss. Als lLetzter und Einziger nach der Zeitnotphase
versuchte Michal Krasenkov gegen Martin Kraemer ein ungefähr
ausgeglichenes Endspiel zu gewinnen, welches der Berliner jedoch
problemlos remis hielt. Damit stand der Endstand von 7-1 fest.
Vor Allem die Leistung von Alexei Shirov war an diesem Wochenende wieder
beeindruckend. Alexei machte den entscheidenden Punkt gegen Bindlach und
gewann seine Schwarzpartie gegen Polzin mit überraschender Leichtigkeit.
Seine Performance beträgt nach der heutigen Runde sensationelle 3039 (!!)
Nach unserem Kampf erfuhren wir über den Live-Ticker dann, dass Hamburg
gegen Remagen mit 3-4 hinten lag. Würden die Hanseaten den Kampf
verlieren (womit man laut Live-Ticker durchaus rechnen musste), hätte
der OSC sensationell bereits zwei Runden vor Schluss die Meisterschaft
unter Dach und Fach gebracht. Da der Hamburger Dirk Sebastian allerdings
seine Partie noch gewann und zum 4-4 ausgleichen konnte, kann sich der
HSK zumindest noch theoretische Titelchancen wahren. Der Vorsprung des OSC
beträgt nunmehr allerdings ganze vier Punkte, was bedeutet, dass ein
Punkt aus den letzten beiden Spielen genügt, um den Titel erfolgreich zu
verteidigen. In zwei Wochen möchte das von der GrenkeLeasing AG
gesponserte Team vor heimischer Kulisse die Meisterschaft gegen Werder
Bremen oder den Hamburger SK, möglichst bereits am Samstag, dann auch
perfekt machen.