Nachrichten OSC Baden-Baden ist Deutscher Pokalmannschaftsmeister 2007 Lesen Sie den Bericht von GM Fabian Döttling
13.03.2007 - Der OSC Baden-Baden hat den ersten Titel in der aktuellen Saison unter Dach und Fach gebracht. Am vergangenen Wochenende setzte sich der OSC vor heimischer Kulisse in zwei spannenden Kämpfen gegen den SK König Tegel im Halbfinale und die SG Aljechin Solingen im Finale durch und ist Deutscher Pokalmannschaftsmeister 2007. In der Bundesliga kann der OSC am kommenden Wochenende in Bindlach einen weiteren Schritt in Richtung des nächsten Titels machen.
Dabei begann die Endrunde im Deutschen
Mannschaftspokal alles andere als verheißungsvoll für die Kurstädter.
Die Auslosung für das Halbfinale am Samstag hatte ergeben, dass der OSC
es mit den Hauptstädtern vom SK König Tegel zu tun hatte. Als hoher
Favorit ging man in die Begegnung, da die Mannschaft in Besetzung Peter
Heine Nielsen, Michal Krasenkov, Fabian Döttling und Andreas Schenk
ihren Gegnern mit fast 250 Elopunkten pro Brett nominell deutlich
überlegen war. Doch nach nur knapp zwei Stunden Spielzeit und lediglich
dreizehn gespielten Zügen musste ein völlig entnervter Michal Krasenkov
seinem Gegner Ulf von Herman zum Sieg gratulieren. Michals
Eröffnungsexperiment mit Albins Gegengambit war gründlich
danebengegangen und er kassierte die kürzeste Niederlage seiner
Schachkarriere, was zugleich das 0:1 aus Sicht des OSCs bedeutete. Auch
am vierten Brett zwischen Andreas Schenk und Olaf Teschke sah es alles
andere als gut für die Kurstädter aus: Teschke wählte in der Eröffnung
eine objektiv sehr zweifelhafte Variante im Budapester Gambit, die
allerdings praktisch sehr gute Chancen bietet.
Michal Krasenkow (OSC Baden-Baden)
Andreas verlor dann auch
alsbald den Überblick, griff fehl und fand sich in einer schweren Lage
wieder in welcher sein Gegner nach Belieben das Remis forcieren konnte.
Entscheidende Bedeutung kam somit der Begegnung am Spitzenbrett zwischen
Peter Heine Nielsen und Rene Stern zu. Würde diese Partie unentschieden
enden, wären die Hauptstädter auf jeden Fall weiter, da Teschke an Brett
vier dann das Remis gegen Schenk forciert hätte, und die Berliner
dadurch, ganz gleich wie die Begegnung an Brett drei zwischen Stephan Giemsa und Fabian Döttling ausgehen würde, aufgrund der sog. Berliner
Wertung selbst bei einem 2:2 weiter gewesen wären, was den Titelträumen
des OSC ein jähes Ende bereitet hätte. Stern war auch gut aus der
Eröffnung gegen Peter Heines Katalanen gekommen und ihm stand wohl ein
Weg zur Verfügung, der eine sehr ausgeglichene remisliche Stellung zur
Folge gehabt hätte. Glücklicherweise ließ er diese Chance ungenutzt,
setzte dann nochmals ungenau fort und fand sich in einer sehr schlechten
Stellung wieder, welche Peter Heine dann auch problemlos gewann.
Fabian Döttling (OSC Baden-Baden)
Damit
stand es 1:1 und der OSC hatte nun alle Trümpfe in der Hand, da Fabian
Döttling am dritten Brett gegen Stephan Giemsa immer mehr Vorteil
erspielen konnte. Bei einem Sieg des Berichterstatters wäre nun nämlich
der OSC aufgrund der bessern Wertung weiter. Giemsa griff dann auch bei
knapper Bedenkzeit in einer unangenehmen Stellung fehl, verlor zwei
Bauern und musste kurze Zeit später aufgeben. Das bedeutete das 2:1 für
den OSC und noch wichtiger, das sichere Weiterkommen ins Finale. Dass
Olaf Teschke am vierten Brett gegen Andreas Schenk den Überblick und in
beidseitiger Zeitnot dann auch die Partie verlor, hatte lediglich
ergebniskosmetischen Charakter zum 3:1 für den OSC. Tags darauf mussten
die Jungs von Pokalmannschaftsführer Christian Bossert gegen die SG
Aljechin Solingen ran, die sich am Samstag etwas überraschend gegen
Werder Bremen durchgesetzt hatten. Die Geschichte dieses Matches ist
eigentlich auch schnell erzählt: Michal Krasenkov fühlte sich
verpflichtet, seine Niederlage vom Vortag wettzumachen und avancierte
dadurch schließlich zum Matchwinner für den OSC. Mit den weißen Steinen
hatte er es am ersten Brett mit Jörg Wegerle zu tun. Michals
Partieanlage gegen Wegerles Meraner war vielleicht objektiv nicht ganz
korrekt, doch musste der Solinger bald dem großen psychologischen Druck
Tribut zollen. Mit immer knapper werdender Bedenkzeit wickelte Wegerle
in ein Turmendspiel mit Minusbauer ab, das er jedoch gegen Michals
präzise Technik nicht halten konnte. Damit hatte Michal früh den
Grundstein für den Erfolg des OSC gelegt.
Andreas Schenk (OSC Baden-Baden)
Am zweiten Brett gelang es
Peter Heine gegen Markus Schäfer mit Schwarz im Sizilianer etwas Druck
zu entfalten, den der Solinger allerdings mit genauem Spiel
neutralisieren konnte. Die Partie ging schließlich in ein remises
Turmendspiel über, in welchem es bald darauf zur Punkteteilung kam. In
der Zeitnotphase wurde es dann allerdings noch mal spannend, da sowohl
Andreas Schenk gegen Lorenz-Maximilian Drabke, als auch Fabian Döttling
gegen Martin Alexander Becker, unter Druck kamen. Andreas als auch der
Berichterstatter waren beide mit etwas vorteilhaften Stellungen aus der
Eröffnung gekommen, ohne allerdings in der Folgezeit etwas Konkretes zu
erreichen. Da Andreas keinen sinnvollen Plan gegen Drabkes Slawen finden
konnte, verbesserte der Solinger seine Stellung immer weiter und
entfaltete schließlich ziemlich unangenehmen Druck. Der Berichterstatter
besaß gegen Beckers etwas ungewöhnliche Behandlung des Caro-Kann lange
Zeit eine angenehmere Stellung, welche er allerdings mit zwei
Ungenauigkeiten in beidseitiger Zeitnot verdarb, um schließlich gar im
vierzigsten Zug noch einen Bauern wegzustellen. Nach überstandener
Zeitnot klärte sich allerdings die Lage zugunsten des OSC. Andreas hatte
sich in ein Damenendspiel gerettet, in welchem er zwar einen Bauern
hergeben musste, sein Gegner indes nicht dem Dauerschach ausweichen
konnte. Damit war mindestens der Wertungssieg der Kurstädter gesichert,
wobei Fabian Döttling nach einigen Mühen das materielle Gleichgewicht
wiederherstellen konnte, was die Punkteteilung und den 2,5:1,5 Sieg des
OSCs zur Folge hatte.
Der Sponsor und leidenschaftliche Schachfan Wolfgang
Grenke (stehend links) mit seinem Siegerteam
Damit ist der OSC nach 2003 und 2005 zum dritten
Mal Deutscher Pokalmannschaftsmeister. Das nächste Ziel wird es sein,
nach dem Meistertitel 2005/06 die erneute Meisterschaft in der
Schachbundesliga zu erringen. Momentan sind die Chancen auf eine
erfolgreiche Titelverteidigung des OSC mit einem Dreipunktevorsprung bei
noch vier zu spielenden Runden sehr gut. Am nächsten Wochenende könnte
der OSC die Titelverteidigung bei seinem Gastspiel in Bindlach gegen die
Bindlacher Aktionäre und die SF Berlin mit zwei Siegen schon nahezu
perfekt machen. Zwar wird die Angelegenheit in Anbetracht, dass die
Topstars Vishy Anand, Peter Svidler und Magnus Carlsen beim
Amber-Turnier in Monaco spielen werden und somit für die Bundesliga
verhindert sind, keineswegs leicht, machbar ist die Aufgabe indes
allemal. Zum Pessimismus geben vor Allem die letzten Ergebnisse
keineswegs Grund, zumal die Mannschaft diese Saison schon oft ihre
Substanz bewiesen hat. Der OSC Baden-Baden wird daher guten Mutes und
mit stolz geschwellter Brust nach Bindlach reisen.