Nachrichten Bundesliga vor der Entscheidung? Von A (wie Anand) bis Z (wie Zickelbein)
19.02.2006 - Der Showdown an der Waterkant hatte alle Merkmale eines vorentscheidenden Finales in der aktuellen Saison der Schachbundesliga. Topfavorit OSC Baden-Baden musste gegen die kampfstarke Mannschaft von Werder Bremen, ihres Zeichen Titelverteidiger und Überraschungssieger der letzten Saison, antreten. Während der Hamburger Schach-Maestro Christian Zickelbein die letzten Details der Organisation löste, konnte der Weltstar aus Indien, GM Vishy Anand als zweiter der aktuellen Weltrangliste, seinem Match gegen den Engländer Luke McShane eigentlich gelassen entgegensehen. Und die Ergebnisse der 10. Runde signalisierten: Die Spannung steigt.
Organisatoren und Einpeitscher: Hans-Walter Schmitt (links) und
Christian Zickelbein (rechts).
Foto: Eva Maria Zickelbein
Und schon im Vorfeld wurden die Mannschaften
quasi "eingenordet". Christian Zickelbein, Vorsitzender des
veranstaltenden Hamburger SK brauchte nicht lange, um die Lage
seines Hamburger Schach-Klubs auf den Punkt zu bringen:
"Wenn wir die SG Kirchheim-Heidelberg nicht schlagen, gefährden wir unsere eigene
Existenz in der Bundesliga."
Im Gegensatz zu Zickelbein konnte sich
Hans-Walter Schmitt von den ChessTigers mit Gelassenheit eine Hamburger
Prise um die Nase wehen lassen, nahm er doch seinen Besuch in Hamburg in
erster Linie zum Antichambrieren war. Und selbst als Chess Tiger Vishy
Anand, Weltstar aus Indien und ELO-Top-Favorit an Brett 1 des OSC
Baden-Baden, in seiner Partie gegen den Engländer Luke McShane alles
andere als ein Wunschergebnis auf's Brett zauberte, ließ Schmitt
die Chambriere im Gepäck.
Vorahnung? Vishy Anand vor seiner Spitzenpartie gegen Luke McShane.
Foto: Eva Maria Zickelbein
Eigentlich war die Ausgangslage klar: Als
"Aufschläger" mit den weißen Figuren galt Anand als aktuelle Nr. 2 der
FIDE-Weltrangliste gegenüber dem Engländer McShane, der mit 183
ELO-Punkten auf Rang 115 der Weltrangliste liegt, als klarer Favorit.
Und als Anand mit der Ruy-Lopez eine seiner "Leib-und-Magen"-Eröffnungen
wählte, wähnten sich die Zuschauer im Spielsaal und an den
Internet-Monitoren der Live-Übertragung wie in einem "Deja-Vu"-Film. Zu
oft schon hatte der "Tiger aus Madras" bewiesen, wer Herr im Ring ist.
Doch der junge Engländer Luke McShane entschied sich in
seinem Match am Spitzenbrett für die Berliner Verteidigungs-Variante in der
Ruy-Lopez-Eröffnung, just eine Spielweise, die Vesselin Topalov bei den
FIDE-Weltmeisterschaften 2005 gegen die ungarische Spitzenspielerin Judit Polgar
mit Schwarz anwandte und erfolgreich brillierte. Nach anfänglichen Vorteilen von Anand
entwickelte sich ein Endspiel, in dem McShane seine Bauernmajorität am
Damenflügel ausnutzte und mit Damenumwandlung drohte. Anand musste
seinen verbleibenden Turm opfern, konnte jedoch seinerseits seine beiden
verbundenen Freibauern am Königsflügel auf den langen Marsch schicken.
McShane war gezwungen, seinen Turm zu "investieren" - mit einer
Punkteteilung trennten sich die Spitzenspieler an Brett 1.
Nr.
Baden-Baden
Bremen
Ergebnis
1
Anand
McShane
0,5 - 0,5
2
Shirov
Efimenko
1 - 0
3
Nielsen
Hracek
0,5 - 0,5
4
Krasenkow
Pelletier
0 - 1
5
Movsevian
Babula
0,5 - 0,5
6
Dautov
Nyback
0,5 - 0,5
7
Schlosser
Fish
1 - 0
8
Buhman
Schandorff
0 - 1
Total
4 - 4
Wieder einmal mehr überzeugte Philipp Schlosser (Baden-Baden) mit einem
Sieg über Gennadij Fish.
Foto: Eva Maria Zickelbein
Jan Gustafsson am Spitzenbrett des Hamburger SK.
Foto: Eva Maria Zickelbein.
Nr.
Hamburg
Heidelberg-Kirchheim
Ergebnis
1
Gustafsson
Wippermann
0,5 - 0,5
2
Ftacnik
Gschnitzer
0,5 - 0,5
3
Kempinski
Beckhuis
1 - 0
4
Hansen
Winter
1 - 0
5
Müller
Vonthron
1 - 0
6
Reeh
Zuse
0,5 - 0,5
7
Heinemann
Adler
0,5 - 0,5
8
Sebastian
Mudelsee
1 - 0
Total
6 - 2
Nach dieser Steilvorlage seines HSK konnte Christian Zickelbein erst
einmal tief durchatmen, erfüllten seine Bundesliga-Spieler doch seine
Vorgabe. Ob Wolfgang Grenke, Sponsor der Bundesliga-Mannschaft des OSC
Baden-Baden, das Unentschieden gegen den aktuellen Tabellenzweiten Bremen
ähnlich gelassen sah, ist nicht verbürgt. Klar hingegen ist das Drehbuch
der diesjährigen Bundesliga-Saison: Spannung pur ist angesagt, eine
Vorentscheidung musste vertagt werden. Und auch Verfolger Köln-Porz
spielten wie im Wahn, als sie im Duell den SF
Katernberg mit 6-2 Punkten besiegten und damit näher an die
Tabellenspitze rückten. Und die Spitzenreiter aus Baden-Baden und Bremen
müssen noch in Köln-Porz antreten.