Chess Classic

Ian Nepomniachtchi GRENKELEASING Rapid World Championship
GM Ian Nepomniachtchi – ORDIX-Opensieger 2008
31.7.-2. August 2009, 18:30 Uhr, Rheingoldhalle Mainz

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Chess Classic

Anand bleibt König von Mainz
Anand gewinnt GrenkeLeasing Rapid Chess World Championship mit knappem Vorsprung

19.08.2007 - Sonntag, direkt nach dem Ende des Ordix Open, das mit 762 Teilnehmern größte Schnellturnier der Welt, endeten die Chess Classic Mainz mit einem weiteren Höhepunkt: Der Grenke Leasing Rapid Chess World Championship, in dem Anand und Aronian im Finale gegeneinander antraten. Drei Tage zuvor hatten sie sich bereits im Finale der FiNet Chess960 World Championship gegenüber gesessen. Ein spannendes und aufregendes Match, aber jetzt stand sogar noch mehr auf dem Spiel: Anand wollte Revanche für seine Niederlage und zeigen, dass er immer noch der beste Schnellschachspieler der Welt ist. Außerdem gab es da noch die kommende FIDE-Weltmeisterschaft in Mexiko: Aronian und Anand zählen dort beide zu den Favoriten und wer in Mainz gewinnen würde, hätte sich einen psychologischen Vorteil gegenüber einem gefährlichen Rivalen verschafft. Gleichzeitig mussten beide darauf achten, nicht zu viel von ihrer Vorbereitung auf Mexiko zu verraten.

Sieger der GrenkeLeasing
Rapid World Championship

Vielleicht war dies der Grund, warum beide äußerst vorsichtig zu Werke gingen. In der ersten Partie wiederholten sie den Spanier, der auch in ihrer Partie aus der Vorrunde auf dem Brett stand, aber während Anand in dieser Partie besser gestanden hatte, holte er diesmal nichts aus der Eröffnung und willigte bald ins Remis ein.

Anders als Anand und Aronian, konnten es Bacrot und Kasimdzhanov in ihrem Kampf um den dritten Platz locker angehen lassen. Samstagabend saßen sie nach der Runde sogar noch zusammen beim Essen, tranken Wein und scherzten miteinander. Wahrscheinlich beschlossen sie hier, in ihrem Wettkampf nicht so sehr auf das Ergebnis zu achten, sondern unterhaltsames Schach zu spielen. Genau das taten sie auch. Gleich in der ersten Partie spielte Kasimdzhanov energisch auf Königsangriff, aber im entscheidenden Moment fehlte ihm der Mut zu einem Opfer auf g6, das Shirov in einem der Analyseräume für gewonnen hielt. Nachdem Kasimdzhanovs Zeitvorrat bis auf wenige Sekunden geschrumpft war, verlor er in den entstehenden Verwicklungen die Orientierung und übersah in einer Stellung mit einem Turm weniger den rettenden Weg zum Dauerschach, wodurch Bacrot 1-0 in Führung ging.

In der zweiten Runde machten Bacrot und Kazimdzhanov genau da weiter, wo sie aufgehört hatten. Gleich nach der Eröffnung fand Bacrot eine interessante Möglichkeit, mit seinem Läuferpaar gegen die gegnerischen Springer zu kämpfen: Kurz entschlossen opferte Bacrot beide Läufer, um zu versuchen, den gegnerischen König Matt zu setzen, aber geriet in eine schlechtere Stellung, als Kasimdzhanov einen Turm zurück gab, um Schlimmeres zu verhindern. Doch im weiteren Verlauf der Partie konnte Bacrot, der jetzt mit Turm gegen zwei Springer spielte, weiter Druck auf die schwarze Stellung ausüben und so kam es zu einem Endspiel, in dem er alle Springergabeln vermeiden, die meisten der noch verbliebenen Bauern tauschen und das Remis retten konnte.

Anand gegen Aronian

Auch Aronians Läuferpaar hatte es mit zwei Springern zu tun. Allerdings war der Armenier weniger großzügig als Bacrot und gab Anand lediglich einen Bauern, wobei er auch noch seine Läufer behielt, die sein materielles Defizit kompensierten. Doch als es Anand gelungen war, einen Großteil des weißen Drucks abzuwehren und Aronian nur noch 30 Sekunden auf der Uhr hatte – Anand hingegen sieben Minuten – sah manch einer Anand schon gewinnen. Aber diese Hoffnung – oder Sorge – wich der Verblüffung, als sich die Spieler plötzlich auf Remis einigten. Ein genauerer Blick auf die Stellung verriet jedoch, dass Anand den Verlust seines Extrabauern nicht vermeiden konnte, wonach das entstehende Endspiel hoffnungslos Remis war.

Die dritte Partie zeigte einmal mehr, wie viel Respekt Anand und Aronian voreinander hatten und wie sorgfältig sie darauf bedacht waren, das Risiko einer Niederlage zu vermeiden oder irgendwelche Geheimnisse zu enthüllen. Erneut stand der Spanier, den sie bereits in der Vorrunde und in der ersten Wettkampfpartie gespielt hatten, auf dem Brett. Aber erneut gelang es Anand nicht, irgendetwas aus der Eröffnung zu holen – Fritz sah sogar Schwarz leicht im Vorteil – und die Partie wurde ohne größere Aufregung Remis.

Kasimdzhanov gegen Bacrot

Also mussten Kasimdzhanov und Bacrot für ein bisschen Unterhaltung sorgen. Dementsprechend entschied sich Bacrot für das Marshall-Gambit, das ihm in der Vorrunde einen Sieg beschert hatte. Aber Kasimdzhanov hatte seine Hausaufgaben gemacht und verbesserte sein Spiel aus dieser Partie. Er konsolidierte seine Stellung allmählich, gab den Extrabauern zurück und erhielt eine Stellung, in der sein Freibauer auf der c-Linie ihm (sehr) gute Gewinnchancen gab. Als der c-Bauern allmählich näher zur Grundreihe vorrückte, schien tatsächlich alles nach Plan zu laufen – bis Schwarz plötzlich mit einem taktischen Trick aufwartete, der ihm ein Remis zu sichern schien. Doch schließlich siegte die Gerechtigkeit, denn am Ende der von Schwarz forcierten taktischen Variante hatte Schwarz kein Remis, sondern verlor eine Figur und die Partie. Damit glich Kasimdzhanov den Wettkampf aus und konnte hoffen, die vierte Partie und das Match zu gewinnen.

Aber es sollte nicht sein – obwohl beide Spieler sich Mühe gaben, konnte keiner gewinnen. Einmal mehr trat das Läuferpaar gegen die Springer an, aber weder die eine noch die andere Seite kam in Vorteil und nachdem die meisten Figuren abgetauscht waren, einigten sich die Spieler auf Remis. Da die Organisatoren beschlossen hatten, auf den Tie-Break zu verzichten, teilten sich Kasimdzhanov und Bacrot Platz drei.

Unterdessen begann die vierte und entscheidende Partie zwischen Anand und Aronian verhalten, endete aber dramatisch. Anand spielte mit Schwarz und konnte nach der Eröffnung problemlos ausgleichen. Es kam zu einer Stellung, die weder der einen noch der anderen Seite viele Möglichkeiten bot. Aber ob er nun nervös oder müde war, in jedem Fall geriet Aronian allmählich ins Hintertreffen. Seine Stellung wurde immer schlechter und er verbrauchte deutlich mehr Bedenkzeit als Anand. Plötzlich war auch seine einzige wirkliche Schwäche, der Bauer auf a3, in ernsthafter Gefahr und als er fiel, schien Anand auf dem besten Wege zu sein, seinen Schnellschachweltmeistertitel zu verteidigen. Und obwohl Aronian in etlichen der vorherigen Partien im Turnier bemerkenswerte Fähigkeiten bewiesen hatte, schlechte Stellungen zu retten, gab es diesmal kein Entkommen. Anand verwandelte seinen Vorteil souverän in einen ganzen Punkt und gewann das zehnte Mal in Mainz.

Aber es war Aronian, der bei der Siegerehrung die richtigen Worte zum Abschluss des größten Schnellschachturniers der Welt fand: “Es war ein großartiges Turnier und ein Vergnügen hier zu sein. Auf Wiedersehen im nächsten Jahr.”

Johannes Fischer

Published by Harry Schaack

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