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Anand für „Idioten“ echte Herausforderung

Alexander Grischuk erneut beim ORDIX Open ungeschlagen

 

Alexander Grischuk hat zum zweiten Mal in Folge das ORDIX Open gewonnen. Der 20-jährige Weltranglisten-16., der bereits schon auf Platz sechs stand, freute sich überschwänglich über seinen Sieg bei den Chess Classic Mainz. Hartmut Metz sprach unmittelbar nach dem entscheidenden Schlussrunden-Remis gegen Alexander Morosewitsch mit dem Russen Grischuk.

Metz: Herr Grischuk, Gratulation zum erneuten Erfolg im ORDIX Open.
Alexander Grischuk: Ich kann es noch gar nicht glauben, dass ich erneut vorne liege. Wie im Vorjahr holte ich 9,5 Punkte und blieb in den elf Runden ungeschlagen. Es ist ein so stark besetztes Open, bei dem zudem über 500 Leute teilnehmen. Das muss ich gleich meinem Trainer Anatoli Bichowski melden. Weil ich bei der Weltmeisterschaft in Libyen auf meine Schnellschach-Künste vertraute und rausflog, tadelte er mich, ich sei ein „Idiot“. Ich würde offensichtlich glauben, ich sei im Schnellschach besonders stark. Ich möchte gerne hören, was er jetzt dazu meint (grinst).

Bild: Mit dem Patt-Trick gegen Darmen Sadwakasow (links) blieb Alexander Grischuk auf der Siegerstraße. Partiedownload im cbv-Format. Partie im Viewer: Rochade-Kuppenheim.

Metz: Wie verlief das ORDIX Open aus Ihrer Warte? Darmen Sadwakasow schlug geknickt mehrfach die Faust in die Hand, nachdem er Sie in ein Patt entwischen ließ.
Grischuk: Die Partie gegen Sadwakasow war die härteste. Er überspielte mich und hätte trotz der ungleichfarbigen Läufer mit vier verbundenen Bauern gewinnen müssen. Als mein König jedoch am Schluss auf f1 ankam, war das Remis nicht mehr zu verhindern. Sobald die Bauern vorrücken, schlage ich mit meinem Läufer auf f3 und werde patt. Das war die kritische Phase des Turniers. Gegen den zweitplatzierten Rafael Waganjan gewann ich nämlich auch nur durch einen großen Bluff. Als wir beide noch etwa fünf Minuten auf der Uhr hatten, opferte ich eine Figur. Als Waganjan zwei Minuten reinschaute, entdeckte ich, dass ich bei Annahme des Opfers verliere. Mein Gegner überlegte jedoch zu lange und überschritt dann selbst die Zeit. Meine beste Partie war die der fünften Runde gegen Wladimir Baklan. Die war unglaublich interessant.

Metz: In der letzten Runde gegen Morosewitsch ging es noch einmal um alles. Der Weltranglistenvierte hätte Sie mit einem Sieg überflügeln können.
Grischuk: Meine Schwächephase hatte ich zu diesem Zeitpunkt glücklicherweise überstanden und befand mich gegen Morosewitsch wieder auf der Höhe. Sein Königszug nach d2 überraschte mich. Ich war schon in Sorge, als er seinen König anpackte. Ich fürchtete Ke2, wonach er besser steht. Nach Kd2 ging es für mich. Am Schluss stand ich etwas besser, weshalb er sich auch mit dem Remis zufrieden gab.

Bild: Gegen Namensvetter Alexander Morosewitsch (rechts) hatte sich Grischuk wieder gefangen. Fotos: Metz

Metz: In Ihrer letzten Partie war klar, dass es keinen frühen Friedensschluss geben wird, weil Morosewitsch immer auf Sieg spielt. Am Nebenbrett auf der Bühne remisierten Alon Greenfeld und Rustem Dautow hingegen nach einer halben Minute.
Grischuk: Für mich kommt so etwas nicht in Frage. Auf lange Sicht gewinnt man mehr Geld, wenn man in der letzten Runde kämpft. Die Preise sind von der Höhe her meist zu unterschiedlich. Es macht einiges aus, ob man einmal Erster oder zweimal Vierter wird. Braucht man ein Preisgeld aber dringend, ist es natürlich auch in Ordnung, wenn man mal schnell remisiert.

Metz: Wie schon im Vorjahr lief es bei Ihnen vor dem ORDIX Open weniger gut im FiNet Chess960 Open.
Grischuk (lacht): Ja, das hat bei mir gute Tradition, dass ich nach Chess960 ärgerlich bin und mich dann besonders anstrenge. Immerhin spielte ich besser als im Vorjahr. Diesmal holte ich acht anstatt sieben Punkte. Mache ich weiter derartig gewaltige Fortschritte, qualifiziere ich mich in zwei Jahren für die Chess960-WM. Ich denke, ich spielte diesmal besser, weil ich Chess960 ernster nahm. Entscheidend war die siebte Runde, in der ich Zoltan Almasi unterlag. So saß er oben auf der Bühne. In meinen zwei weiteren Verlustpartien stand ich bereits nach fünf Zügen platt. Ein Rundenturnier im Chess960 fände ich interessant. Zur Popularisierung trägt sicher bei, dass es kaum Unentschieden gibt.

Bild: Alexander Grischuk baute im Chess960 genug Ärger fürs ORDIX Open auf.

Metz: Anscheinend ist Ihr Titel-Hattrick im ORDIX Open nur zu verhindern, wenn Sie nächstes Jahr das Hauptmatch gegen Viswanathan Anand spielen.
Grischuk: Eine sehr gute Idee! Ich würde gerne gegen Anand spielen. Das wäre eine echte Herausforderung.

 

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