Das Duell der Weltmeister

Viswanathan Anand vs Alexei Schirow

 


Foto: Thilo Gubler

 

 

 
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Summe
Anand
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½
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Schirow
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Partien im pgn-Format | Partien im cbv-Format | Fotoreihe von Thilo Gubler

 

 

Tag 4: Spektakulärer Abschluss

Anand verteidigt mit 5:3 Titel gegen Schirow

Viswanathan Anand hat gestern zum fünften Mal in Folge die Chess Classic gewonnen. In der Mainzer Rheingoldhalle stand der Sieg des weltbesten Schachspielers über Alexej Schirow bereits nach der siebten von acht Partien fest. Dank eines Remis lag der Inder uneinholbar mit 4,5:2,5 in Front und gewann nach einem spektakulären Schlussrunden-Unentschieden letztlich souverän mit 5:3. Mit Weiß riskierte Anand zunächst nichts. „Ich konnte in der ersten Partie nur den Fingerfehler korrigieren“, meinte Schirow, „ich stand aber auch diesmal schlechter und profitierte davon, dass Vishy mit dem Remis den Gesamtsieg abzusichern gedachte.“

In der letzten Begegnung ging der Wahl-Spanier aber nochmals aufs Ganze. Unbedingt wollte er seinen Mannschaftskameraden beim SC Baden-Oos bezwingen. Dabei machte der 32-Jährige erstmals richtig seinem Kampfnamen „Hexer von Riga“ alle Ehre. „Da Alexander Morosewitsch im Publikum saß, wollte ich ihn nicht langweilen und spielte wie er“, scherzte Schirow mit Blick auf die wild verwickelte Partie. „Ich besaß Initiative, aber ich sah leider keinen Gewinn.“ Mit erneut lediglich ein paar Sekunden auf der Uhr musste sich Schirow mit einem Dauerschach bescheiden, nachdem er zuvor den schwarzen König vom Damen- zum Königsflügel gejagt hatte. Schirow hatte zuvor bei der Siegerehrung auf der Bühne zu Organisator Hans-Walter Schmitt geraunt: „Vishy ist einfach der Beste!“

Der derartig Gepriesene gab sich gewohnt bescheiden, nachdem er zum siebten Mal das schwarze Jackett des Siegers übergestreift hatte. „Das Match war knapper, als es schien. Die zwei Fingerfehler von Alexej entschieden den Zweikampf. Fast alle anderen Partien waren irgendwie verrückt. Vom Niveau her möchte ich das Duell mit dem des Vorjahres mit Judit Polgar vergleichen, in dem es auch in den Partien hin und her ging. Auf jeden Fall stand es auf einem deutlich höheren Niveau als das gegen Wladimir Kramnik, als wir ständig patzten.“ Bei der abschließenden Treibjagd, in der sein König im Mittelpunkt stand, glaubte sich Anand verloren. Die von dem Inder angegebene Variante hielt Schirow indes nicht für ausreichend. Trotz des Remis strahlte der Herausforderer erstmals nach einer Partie. Der „Hexer“ war doch noch ein bisschen glücklich geworden in Mainz.

 

Tag 3: Inder führt gegen Schirow mit 4:2

Anands Titelverteidigung nur noch Formsache

Viswanathan Anand hat seinen Vorsprung bei den Chess Classic Mainz auf 4:2 ausgebaut. Die dritte Partie remisierte zwar Alexej Schirow, in der vierten zog er jedoch zum zweiten Mal den Kürzeren. Wie gewohnt mochte es Anand nicht, von einer vorzeitigen Titelverteidigung zu sprechen. Vorsichtig erklärte der 34-Jährige: „Warten wir es bis morgen ab.“

Alexej Schirow war der Pressekonferenz ferngeblieben. Ihm schlug die Niederlage zu sehr auf den Magen. „Ich habe die Züge verwechselt“, lamentierte der Spanier, ehe er entschwand. Anand präzisierte: „Alexej unterlief ein Fingerfehler. Gegen Iwantschuk hat er 14…Se6 anstatt Lf8 gezogen. Nach dem Läuferzug war es nach meinem Lg5 sofort aus. Mein Computer zeigte bei der Vorbereitung in dieser Stellung nur erbauliche Varianten.“ Drohungen wie Sh6+ und auch Lxf6 hätten in allen Fällen den schwarzen König bloßgelegt. Schirow opferte deswegen die Qualität und hoffte, den weißen Läufer auf a8 einkerkern zu können – doch Anand widerlegte das mit leichter Hand. Den angebotenen Damentausch auf d4 durfte Schwarz nicht akzeptieren, danach bedurfte es lediglich noch des Turmzugs nach e1. Nach einem Bauernverlust gab der Herausforderer auf.

In der dritten Partie gewann Schirow einen Bauern. Obwohl im Endspiel zudem ein weißer Bauer auf e6 auftauchte, hatte Anand keine Sorgen, die Partie zu verlieren. Peter Swidler, der offenbar während seiner Chess960-Partien genügend Zeit hat, das zweite Duell auf der Bühne zu verfolgen, meinte gar, dass Schwarz besser stünde. „Mit dem Turm auf der zweiten Reihe, dem aktiven Springer und dem Läufer auf b4, der das Feld e7 kontrolliert, hatte ich mindestens ausreichende Kompensation“, bestätigte der „Tiger von Madras“. Da Schirow wieder nur noch wenige Sekunden auf der Uhr besaß, begnügte er sich daher gerne mit einer Zugwiederholung nach Kf8 mit Sh7+ und nach Kg8 zurück mit dem Springer auf g5. Es müsste mit dem Teufel zugehen, damit der „Hexer von Riga“ das Match am letzten Tag noch drehen kann.

 

Tag 2: Anand führt zur Halbzeit mit 2,5:1,5 gegen Schirow

"Schlechte Vorbereitung“

„Schon wieder ein Fall von schlechter Vorbereitung“, lamentierte Alexej Schirow nach dem zweiten Tag bei den Chess Classic Mainz. Der Spanier verteidigte aber zweimal zäh ein Remis und bleibt mit dem Rückstand von 1,5:2,5 zur Halbzeit im Rennen um den Gesamtsieg. In beiden Partien musste Kontrahent Viswanathan Anand zunächst kein Hirnschmalz aufwenden. Er spulte lediglich seine Vorbereitung herunter. Mit Weiß brachte der Titelverteidiger im 14. Zug eine Neuerung. „An dieser Stelle wurde schon Df3 von mir selbst und Sf5 von Peter Swidler gezogen“, erläuterte Schirow. Nach dem eher schwachen 23…c5 und der starken Entgegnung 24.c4 von Anand wähnte sich der „Hexer von Riga“ in einer ungemütlichen Lage, zumal der „Tiger von Madras“ zehn gegenüber nur drei Minuten auf der Uhr besaß. Anschließend verteidigte sich der Herausforderer gut und rettete den halben Punkt.

Fast ähnlich verlief das vierte Duell. „Die Variante spielte Anfang des Jahres Zoltan Gymesi als Erster. In Biel hielt Ruslan Ponomarjow damit Remis gegen Alexander Morosewitsch“, erläuterte Anand. Apropos Ponomarjow: Als dieser verspätet die Spielhalle betrat, um das Match zu verfolgen, musste er lauthals lachen, als er die Stellung auf dem großen Monitor sah. Bis zum 23. Zug kamen Anands Antworten in dem wilden Spanier wie aus der Pistole geschossen. 24.Tad1 von Schirow stellt vermutlich eine Neuerung dar – und zwar eine von zweifelhafter Natur, glaubt man beiden Großmeistern. „Wenn ich gleich Lf8 spiele im 28. Zug, wäre Weiß wohl in Schwierigkeiten geraten“, analysierte Anand in der Pressekonferenz.

 

Tag 1: Titelverteidiger geht in Führung

Shirov ohne Fortune

Alexej Schirow (Bild rechts, Thilo Gubler) schüttelte unzufrieden den Kopf. Das Remis mit Weiß war nicht nach seinem Geschmack. Doch mit nur noch 40 Sekunden auf der Uhr fügte sich der Wahl-Spanier gegen Viswanathan Anand ins Remis. Nach dem Turmschach auf a3 musste Schirow den Turm tauschen, da ansonsten er und nicht der Inder matt gegangen wäre, wenn Weiß Kh2?? zieht. Ein spannender Auftakt!

Viswanathan Anand (Bild links, Thilo Gubler) ging im zweiten Duell mit 1,5:0,5 in Führung. Lg4 geißelten beide Spieler als Fehler. Nach einem Qualitätsopfer verwertete der Inder die zwei Bauern, die er dafür erhielt. Alexej Schirow beklagte die vergebene Chance zum Auftakt. Stand zunächst der Inder mit Schwarz besser, kam Schirow durch die riskanten Bauernzüge g4 und h4, "die vielleicht verlieren", auf. Als Anand dann das Turmschach auf a3 gab, wollte Schirow nicht f3! anstatt Tg3 riskieren. "Das hätte aber gewonnen", befand der Spanier in der Pressekonferenz.

 

 

8 Partien Schnellschach:
25 Min./Partie + 10 Sek./Zug

Donnerstag, 5.8. Runde 1+2
Freitag, 6.8. Runde 3+4
Samstag, 7.8. Runde 5+6
Sonntag, 8.8. Runde 7+8

Rundenbeginn: 18.30h und 20.00h

Viswanathan Anand
Weltmeister 2000-2002
GM, Indien, ELO 2774

Alexei Schirow
Vize-Weltmeister 2000/2002
GM, Spanien, ELO 2713

 

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